Unter Beschuss : Anschlagsserie auf der Autobahn - BKA intensiviert Fahndung

Angesichts der beispiellosen Anschlagsserie auf mehr als 700 Autotransporter und andere Fahrzeuge auf deutschen Autobahnen hat das Bundeskriminalamt (BKA) die Ermittlungen verstärkt. Bei der Fahndung setzt die Behörde jetzt auf Öffentlichkeit - reichlich spät, sagen Kritiker.

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Seit Jahren schießt ein Unbekannter auf LKW. Nun bittet das BKA die Öffentlichkeit um Mithilfe. Foto: dapd
Seit Jahren schießt ein Unbekannter auf LKW. Nun bittet das BKA die Öffentlichkeit um Mithilfe.Foto: dapd

Neue Anhaltspunkte erhofft sich die Behörde unter anderem durch die Einrichtung einer „Besonderen Aufbauorganisation Transporter“, in der seit Mitte Oktober 90 Beamte von BKA und Polizei gemeinsam ermitteln. Außerdem geht das BKA verstärkt an die Öffentlichkeit. Die Belohnung für Hinweise aus der Bevölkerung, die zur Ergreifung des Täters führen, wurde von 27000 auf bis zu 100000 Euro erhöht. Weiterhin würden verstärkt Fahndungsplakate aufgehängt und Handzettel an die besonders betroffenen Fahrer von Autotransportern verteilt, teilte die Behörde gestern mit. Das Vorgehen des BKA löste unterdessen Kritik aus. Der Verein für Automobillogistik bemängelt, dass die Behörde erst jetzt die Ermittlungen verstärke. „Es wird höchste Zeit, dass die Täter endlich erwischt werden“, sagte Sprecher Ingo Hodea dem Tagesspiegel. „Wir hätten uns eine öffentlichkeitswirksamere Fahndung schon lange gewünscht.“ Viele Fahrer von Autotransportern seien angesichts der Anschlagsserie sehr besorgt.

Das BKA wies die Kritik zurück. Man sei nicht spät an die Öffentlichkeit gegangen, sagte eine Sprecherin und verwies auf eine Pressemitteilung, die das BKA bereits im Oktober 2009 verschickte. Im Juli 2011 habe man außerdem das Fernsehen eingeschaltet.

Im Oktober 2009, zum Zeitpunkt der ersten BKA-Pressemitteilung, war die Anschlagsserie allerdings schon länger erkennbar. Nach ersten Schüssen im Juli 2008 stiegen „Anfang 2009 die Fallzahlen deutlich an“, heißt es in einer aktuellen BKA-Mitteilung. Dass es dann etwa zehn Monate dauerte, bis die Öffentlichkeit informiert wurde, habe „strukturelle Gründe“, sagte die BKA-Sprecherin. „Polizei ist schließlich Ländersache.“ Daher sei das Phänomen nicht als bundesweites eingestuft worden. Außerdem habe man die Bevölkerung nicht in Panik versetzen wollen.

Bis heute hat die Polizei mehr als 700 Anschläge auf Autobahnen registriert. Besonders oft wird auf Autotransporter gefeuert, auch andere Fahrzeuge wie Wohnmobile, Baustellenfahrzeuge und PKW wurden schon getroffen. Eine Spur zu dem oder den Tätern hat das BKA bisher nicht. „Bis heute haben wir keinen konkreten Hinweis“, sagte gestern BKA-Präsident Jörg Ziercke.

Die jüngsten Anschläge gab es Anfang November. In Leipzig waren an zwei aus Bayern kommenden Autotransportern Einschusslöcher entdeckt worden. Schüsse fielen bisher vor allem auf den Autobahnen 3 bis 6, auf der A61 und auf der A8 in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Auch wenn der oder die Täter auf die Fahrzeuge selbst zielen und nicht auf deren Insassen: Die Gefahr für die Verkehrsteilnehmer ist groß. Im November 2009 wurde eine Autofahrerin auf der A3 bei Würzburg schwer verletzt, als ein Querschläger sie am Hals traf. Mit ihrem Wagen prallte sie danach gegen die Leitplanke. Dass es bisher nur eine Verletzte gegeben habe, ist laut BKA-Chef Ziercke nicht mehr als ein „glücklicher Umstand“.

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