Welt : Unter Öl

Bewohner der galizischen Küste ringen verzweifelt um ihr Dorf

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Muxia (ze). Während Feuerwehrschiffe aus ganz Europa im Atantik die wohl schlimmste Ölpest in der spanischen Geschichte bekämpfen, verdichten sich Hinweise, dass weit mehr als die bisher von Spanien zugegebenen 10000 Tonnen Schweröl aus dem gesunkenen Tanker „Prestige“ ausgelaufen sind. Allein der Ölteppich, der Richtung Frankreich treibt, bestehe aus rund 11000 Tonnen Öl, sagte ein Sprecher der galizischen Behörden. Die Ölmassen an den Stränden, am Ort des Tankeruntergangs und unzählige kleinere Ölteppiche könnten summiert 20000 bis 30000 Tonnen betragen – 77000 Tonnen hatte die „Prestige geladen.

Mit am schlimmsten hat die Ölpest an der galicischen „Todesküste" den Fischer und Badeort Muxia getroffen, aus dem in diesen Tagen Fernsehstationen aus aller Welt schaurige Bilder um den Globus schicken. Weiße Traumstrände, Uferpromenade und die umliegende bizarre Felslandschaft sind mit einer zentimerdicken pechschwarzen Schicht bedeckt, ganz so als wäre die gesamte Küstenlandschaft asphaltiert worden.

Sogar an Hausfassaden, Laternenpfählen und Autos des 6000-Seelen-Dorfes klebt nun das stinkende Öl, das mit den meterhohen Wellen über die Ufermauer schwappte. Die Journalisten und freiwilligen Helfer, die sich in den Hotels eingemietet haben, werden gebeten ihre Schuhe an der Rezeption auszuziehen, damit die klebrige und giftige Schwerölpest sich nicht auch noch innerhalb der Häuser ausbreitet.

Praktisch vor der Haustür der Bewohner begann am 13. November die Katastrophe, als ein Sturm die leckgeschlagene „Prestige“ auf die Felsenküste Muxias zutrieb, bevor Hochseeschlepper den altersschwachen Riesentanker aufs Meer zogen. Die Dorfbewohnerin Barca Toba, eine junge Lehrerin, die nun am Strand mit Schaufel und Eimer gegen das Öl kämpft, erinnert sich: „Vom Hafen aus sahen wir, wie der havarierte Tanker immer näher kam. Einige Stunden später war dann auch schon die schwarze Flut da.“ Die Frau ist nun entsetzt über die seit vielen Tagen zu beobachtende Hilflosigkeit der spanischen Regierung. „Die halten uns wohl für dumm. Die Behörden behaupten, es gebe keine Ölpest.“ Sie guckt auf die ölverdreckte Playa: „Wenn das keine schwarze Flut ist. Was ist es dann?“

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