• Untergegangene Welt: Taucher haben vor der Küste Ägyptens eine ganze Stadt gefunden - Ist es Herakleion?

Welt : Untergegangene Welt: Taucher haben vor der Küste Ägyptens eine ganze Stadt gefunden - Ist es Herakleion?

Hans Dahne

Der französische Meeresarchäologe Franck Goddio schipperte mit seinem Forschungsschiff über die Bucht von Abukir, als die Messinstrumente plötzlich heftig ausschlugen. "Wir waren sehr erstaunt und fragten uns, was da unten liegt", sagt Goddio: "Volltreffer. Wir haben eine ganze Stadt unter Wasser gefunden. Gut erhaltene Ruinen, fünf bis sieben Meter hohe Statuen, Sarkophage und Schreine aus Granit. Das war sehr beindruckend."

Das Team des 53-Jährigen entdeckte knapp sechs Kilometer vor der Mittelmeerküste Ägyptens angeblich die Überreste des versunkenen Herakleion. Die knapp einen Quadratkilometer große Stadt lag an der Mündung eines Nilarmes ins Mittelmeer und war bis zur Gründung Alexandrias 331 v.Chr. das Eingangstor Ägyptens und die wichtigste Zollstation. Die versunkene Stadt mit ihren eingestürzten Tempeln und Häusern liegt rund sechs bis acht Meter unter der Wasseroberfläche. "Die Ruinen, die gepflasterten Straßen, das Abwassersystem - alles ist mit Sand bedeckt. Manchmal sind es nur 30 Zentimeter, manchmal zwei Meter." Aus dem Gebiet seien bis zu 90 Meter lange Mauerwände sowie die 150 Meter lange Kai-Anlage aufgetaucht.

Unklar bleibt, wann und warum Herakleion sowie die Nachbarstädte Canapus und Menouthis im Meer versanken. Goddio hat jetzt geophysikalische Gutachten zweier US-Universitäten, darunter der Stanford-Universität, eingeholt. Danach gebe es "starke Beweise", dass ein Erdbeben den Untergang ausgelöst haben könnte. "Die Wände sind zusammengefallen wie beim Domino."

Alte Texte berichten über Luxus und Dekadenz in der antiken Metropole, aber auch über zahlreiche Tempelanlagen, die den Göttern Isis, Anubis und Serapis gewidmet waren. Pilger aus dem gesamten Mittelmeerraum kamen, um hier Heilung zu suchen oder das Orakel zu befragen.

Auch das versunkene Canopus hat Goddio jetzt vermessen. "Sehr beeindruckend" seien die bis zu 90 Meter langen und drei Meter dicken Mauern. Zu den Fundstücken gehören sagenhaft schöne Statuen, geheimnisvolle Sphinxen, Keramik, Münzen und Schmuck. Goddios Team besteht aus 14 Mitarbeitern, darunter Franzosen, Amerikaner, Russen und ein Deutscher. Es wird unterstützt durch acht Taucher der ägyptischen Altertümerverwaltung. Goddio fertigte mit seinen elektromagnetischen Messungen in zwei Jahren die erste elektronische Unterwasserkarte der Bucht von Abukir an.

Die jetzt von Goddio aufgespürten Fragmente erlauben nach den Worten des französischen Professors Jean Yoyotte vom College de France die fast vollständige Rekonstruktion des einzigartigen Bauwerkes von "außergewöhnlicher Bedeutung". Die Ägypter hatten den Lauf von Sternen über den Nachthimmel festgehalten und die Auswirkungen auf Mensch, Tier und Wohlbefinden beschrieben. Während der Christianisierung wurde die steinerne Kapelle wegen Götzenanbeterei und Aberglaubens zerschlagen und verstreut.

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