Unterwegs im Alltag: Der Peugeot 508 SW : Nicht schlecht, aber noch nicht perfekt
21.02.2012 12:51 UhrAls Peugeot seinen 508 vor vielen Monaten zum ersten Mal zeigte, waren die Reaktionen ziemlich positiv: Ja, so muss ein Kombi aussehen. Es geht um die richtige Mischung aus Dynamik und praktischem Nutzen. Sieht das gute Stück zu schnittig aus, ahnt man gleich, wie wenig hinten hinein passt. Und ist er gezeichnet wie ein plumper Karton, rümpfen schon die Kinder die Nase.
Was die Linienführung angeht, müssen wir unsere Wahrnehmung des Franzosen splitten. Dank der weit nach hinten ansteigenden Scheinwerfer sieht der Wagen von außen viel sportlicher aus als ein Passat. Hinten fällt das Dach etwas ab, ein typisches Merkmal vieler Lifestyle-Kombis.
Von innen wird die Begeisterung etwas getrübt: Die Kopffreiheit vorne ist so lá lá und die Rundumsicht bescheiden. Spätestens im Parkhaus entladen sich dezente Flüche – Übersichtlichkeit geht anders. Material und Verarbeitung des Innenraums erreichen zwar noch nicht die Qualität deutscher Premiums, liegen aber über dem Niveau asiatischer Mitbewerber.
Peugeot hat in den letzten Jahren nicht nur bei den Sitzen erheblich nachgebessert; auch Griffe, Tasten und Drehregler machen dank Chromrändern, Pianolack und guter Mechanik einen hochwertigen Eindruck – vielleicht hat man deswegen so viele davon im Armaturenträger platziert. Ablagen dagegen sind Mangelware, für ein Auto, das vor allem Familien nutzen solle, ein echter Malus.
Abstriche beim Verbrauch
Gut gefallen hat uns der 156 PS starke Benziner. Der Turbo kommt schnell aus den Puschen, wird ob seiner großartigen Dämmung nie anstrengend laut und zieht ab 1400 Umdrehungen gleichmäßig durch – bei nur 1,6 Litern Hubraum gibt es hier bestenfalls am Verbrauch kleine Abstriche zu machen: Im Test haben wir im Schnitt fast zehn Liter verbraucht. Da gibt es Konkurrenten, die man mit einem Liter weniger fahren kann. Dem ausgewogenen Fahrwerk des 508 geben wir eine Zwei minus. Insbesondere auf den schlechten Straßen Berlins fühlt sich der Peugeot manchmal bockig an. Lenkung und manuelles Schaltgetriebe arbeiten präzise – gerade vor dem Hintergrund anhaltender Kritik an der optionalen EGS6-Automatik eine wertvolle Erfahrung.
In der Paradedisziplin jeden Kombis schneidet der Proband aus Frankreich gut ab: Mit 560 und 1600 Liter Ladevolumen erreicht er nicht ganz die Größe des Passat, schlägt aber Opels Insignia Sport Tourer. Die Rücksitzlehnen lassen sich serienmäßig per Hand vom Kofferraum aus entriegeln: die 1,90 Meter lange und 1,11 Meter breite Ladefläche ist eben und ungestört von Radkästen. Etwas störend empfanden wir die schräg stehende Heckklappe. Wer für die 550 Euro zusätzlich investiert, überlässt das Öffnen und einem Elektro-Antrieb; ein Sicherungsnetz fürs Transportgut gibt es dazu.
Für den 508 SW spricht der faire Preis ab 33.150 Euro. Für die meisten Kunden dürfte die Ausstattungslinie "Active" die beste Wahl sein: Sie bietet neben Audioanlage, Tempomat und Zweizonen-Klima auch das famose Panoramadach, das den Familienausflug im 508 trotz kleiner Schwächen zum echten Vergnügen macht.
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