Unwetter in Deutschland : Spur der Verwüstung in Hamburg

Nach dem Tornado in Hamburg halten unwetterartige Gewitter das Land weiter in Atem. Am Frankfurter Flughafen ist ein Mitarbeiter vom Blitz getroffen worden - über sein Headset.

Daniel Godeck
Der Tornado in Hamburg hinterließ eine Spur der Verwüstung.
Der Tornado in Hamburg hinterließ eine Spur der Verwüstung.Foto: dpa

Das Unheil kündigte sich mit einem lauten Dröhnen an. „Die Geräusche machten einem Angst, es war wie im Film“, sagt eine Anwohnerin im Hamburger Stadtteil Farmsen. Zuerst habe es kräftig geregnet, dann fielen fast tischtennisballgroße Hagelkörner, schließlich kam der Tornado. So kurz und heftig wie er am Dienstagabend über den Osten der Hansestadt fegte, so schnell war er auch wieder verschwunden. Und er ließ eine Schneise der Zerstörung zurück. Auch anderswo in Deutschland hat es erneut heftige Unwettern gegeben, diesmal war auch der Norden des Landes betroffen. Eine Übersicht.

Norddeutschland: Tornado über Hamburg

Manch einem betagteren Hamburger dürfte die Sturmflut von 1962 noch sehr präsent sein. Am Dienstagabend kam das Unheil aber nicht übers Meer, sondern vom Himmel: Über den Nordosten der Stadt bildete sich ein Tornado, der eine Spur der Verwüstung hinterließ. Zahllose Dächer wurden abgedeckt, Keller liefen voll, Bäume kippten um. Auch Kleingärten hat der Tornado verwüstet. Immerhin ist dabei kein Mensch zu Schaden gekommen. In den betroffenen Stadtteilen Bramfeld und Farmsen rief die Feuerwehr zeitweise den Ausnahmezustand aus.

Über eintausend Feuerwehrleute waren im Einsatz, um Keller leerzupumpen und Straßen freizuräumen. „Bis nach Mitternacht waren wir mit der Gefahrenbeseitigung beschäftigt“, sagte ein Feuerwehrsprecher dem Tagesspiegel. Schon am selben Abend begannen Anwohner, die Schäden zu beseitigen. Derweil setzten heftige Regenfälle in der niedersächsischen Kleinstadt Damme fast das gesamte Stadtgebiet unter Wasser.

West- und Südwestdeutschland: Blitz schlägt in Headset ein

Wie schon in der letzten Woche haben die Unwetter abermals Teile Nordrhein-Westfalens heimgesucht. Diesmal lag der Schwerpunkt der extremen Niederschläge vor allem im Ruhrgebiet und im Münsterland. In Wuppertal schossen Fontänen aus den Kanälen, zahlreiche Autos standen in kniehohem Wasser. Blitze trafen einen Baum auf einem Kindergartenspielplatz und ein Haus. Nahe Essen und Recklinghausen liefen Keller und Unterführungen voll.

Nach den vier Toten von vor anderthalb Wochen ist Baden-Württemberg auch am Dienstag von heftigen Regenfällen getroffen worden. Örtlich fielen innerhalb einer Stunde mehr als 30 Liter Regen pro Quadratmeter, teils sogar noch mehr. Besonders die Region um den Schwarzwald wie der Ortenaukreis und der Kreis Calw hatte mit Starkregen zu kämpfen. In dem Ort Unterharmersbach schlug ein Blitz in ein Wohnhaus ein und verursachte einen Schaden von mehrere tausend Euro. In Heidelberg wurde ein Baum entwurzelt, mehrere Straßen waren überflutet. Auch das Saarland und Rheinland-Pfalz waren betroffen.

Am größten Flughafen Deutschlands in Frankfurt am Main ist ein Mitarbeiter durch einen Blitzeinschlag schwer verletzt worden. Wie die Polizei mitteilte, schlug der Blitz in das Headset des 44-jährigen Mannes ein.

Süddeutschland, Frankreich und Belgien: Neue Warnungen vor Unwettern

Mindestens elf Menschenleben haben die Unwetter der letzten Wochen deutschlandweit gefordert; die finanziellen Schäden dürften in Milliardenhöhe liegen. Während der extremen Gewitterserie hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) 3000 Unwetterwarnungen herausgegeben. „Das ist einmalig, seit es das Warnsystem auf Landkreisebene gibt“, sagte ein DWD-Sprecher.

Und die Gefahr bleibt unverändert hoch: Für Mittwoch und die Nacht auf Donnerstag warnten die Meteorologen vor neuen unwetterartigen Gewittern südlich einer Linie von der Eifel bis zum Oderbruch.

Weiter angespannt bleibt die Lage im Nachbarland Frankreich, wo inzwischen mindestens fünf Menschen durch unwetterartige Niederschläge umgekommen sind. In Belgien mussten nach starken Regenfällen Autobahnen gesperrt werden. (mit dpa/AFP)

1 Kommentar

Neuester Kommentar