Unwetter : Orkan tobt über Deutschland

Das Orkantief "Franz" hat in Deutschland zahlreiche Schäden angerichtet. Gegenstände flogen durch die Luft, Lastwagen wurden umgeweht, teilweise fiel der Strom aus. In Hamburg wurde der Fischmarkt überflutet.

Erfurt - Der Wasserstand in Hamburg lag um 8:15 Uhr 2,70 Metern über mittlerem Hochwasser; der Fischmarkt und Teile der Speicherstadt waren zwischenzeitlich überflutet. In der Nacht musste die Feuerwehr rund 30 Mal wegen Sturmschäden ausrücken. Zahlreiche entwurzelte Bäume hatten zum Teil Häuser und Autos beschädigt, verletzt wurde aber niemand.

In Emden mit 2,46 Metern und an der nordfriesischen Küste mit 2,20 Metern über mittlerem Hochwasser wurden nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie ebenfalls hohe Wasserstände erreicht. Insgesamt sei die Sturmflut "verhältnismäßig glimpflich" abgelaufen, sagte ein Sprecher der Innenbehörde in Hamburg, wo mit Überschreiten der 2,50-Meter-Marke über mittlerem Hochwasser eine "schwere Sturmflut" verzeichnet wurde.

Das Orkantief verschonte Deutschland in der Nacht zwar mit größeren Schäden, die Böen rissen aber zahlreiche Äste herunter und warfen Bäume um. Nach Angaben der Polizei gab jedoch keine größeren Sachschäden und nur einige Leichtverletzte.

Im Oberharz entkamen zwei Polizisten nur knapp dem Tod. Auf einer Bundesstraße nahe Wernigerode (Sachsen-Anhalt) hob ein Anhänger eines Lastwagens wegen des tobenden Sturms plötzlich ab und fiel auf einen Streifenwagen. Sekunden zuvor hatten die Beamten ihr Fahrzeug verlassen, um einen anderen Unfall aufzunehmen.

Straßensperrungen und Stromausfälle

Auf mehreren Autobahnen Thüringens kippte der Sturm Lastwagen um und sorgte bis Freitagmorgen für Staus und Behinderungen. Wie die Polizei mitteilte, waren besonders die Autobahnen 4 und 71 betroffen. Bei den Unfällen gab es keine Verletzten und nur geringen Sachschaden. Die A 71 wurde zwischen den Anschlussstellen Arnstadt-West und Geraberg aus Sicherheitsgründen bis 3 Uhr gesperrt. Das betraf auch den Rennsteigtunnel. Die Thüringer-Wald-Autobahn war von Donnerstagnachmittag bis Freitagmorgen neun Stunden lang gesperrt. Orkanböen hatten auf der 60 Meter hohen Reichenbachtalbrücke innerhalb kurzer Zeit einen unbeladenen Laster mit Anhänger sowie drei Kleintransporter umgerissen. Wegen der starken Böen konnten die Fahrzeuge erst am frühen Morgen geborgen werden.

In Nordrhein-Westfalen gab es zwei Leichtverletzte. Im Hochsauerlandkreis flogen mehrere Bäume auf die Fahrbahnen, so dass einige Straßen gesperrt werden mussten. Im bayerischen Landkreis Bayreuth stürzten Bäume auf mehrere Fahrzeuge. Es gab jedoch nur Sachschaden. Hier und im Landkreis Kulmbach fiel einige Zeit der Strom aus.

Keine Verletzten in Berlin

In Rheinland-Pfalz blies der Wind in Koblenz eine Werbetafel und Teile eines Gartenhauses auf die Straße, deckte ein Dach ab, entwurzelte Bäume und beschädigte eine Telefonleitung. In Montabaur stürzte ein Baum auf ein Auto. Der 53 Jahre alte Fahrer erlitt einen Schock. Im Hunsrück fiel einige Zeit der Strom aus.

Im sächsischen Crottendorf erfasste eine Windböe den Wagen einer Frau und drückte diesen gegen einen Baum. Die Fahrerin wurde schwer verletzt. In Nordrhein-Westfalen wurden drei Menschen verletzt. Ein Mann stürzte aus vier Meter Höhe von der Leiter, als er nach einer undichten Stelle im Dach suchte. Orkanböen fegten einen 49-Jährigen von seinem Motorroller und rissen eine Frau vom Fahrrad. In Baden-Württemberg fiel in der Region Offenburg für einige Stunden der Strom aus. Auf der Autobahn 98 bei Konstanz warfen Windböen einen Getränke-Lastwagen um.

In Berlin hat der Orkan keine nennenswerten Schäden angerichtet. Die Polizei musste nach eigenen Angaben zu keinem Sturm- Einsatz ausrücken. Auch die Feuerwehr hatte relativ wenig Arbeit durch das Unwetter. Ein paar Dachziegel seien von Dächern gefallen und ein paar Äste abgeknickt worden. Verletzt wurde niemand. (tso/dpa/ddp)

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