Unwetterwarnung : Tief Daisy: Das große Chaos bleibt noch aus

UPDATE Selten hat ein angekündigter Schneesturm solche Hysterie erzeugt – doch das Schneechaos blieb aus. In Weil am Rhein stauten sich jedoch 500 Lastwagen an der Grenze, in Frankfurt wurden seit Freitag mindestens 200 Flüge gestrichen.

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Eis, Schnee, Sturm. Vereiste Seebrücke in St. Peter-Ording. Foto: dpadpa

Das angedrohte Tief „Daisy“ mit heftigen Schneefällen und Sturm zieht am Samstagvormittag langsam von Westen heran: Später als erwartet begann es in Nordrhein-Westfalen und Hessen stark zu schneien. „Daisy“ verlagere sich im Tagesverlauf vor allem in den Norden des Landes, hieß es beim DIW. Schnee und Eisglätte haben auch in der Nacht zum Samstag zu zahlreichen Unfällen und Verkehrsbehinderungen geführt. Ein größeres Verkehrs- und Winterchaos löste Sturmtief „Daisy“ aber bisher nicht aus. Für einige Regionen, unter anderem im Norden, wurden auch für Samstag noch Unwetterwarnungen vor Schneeverwehungen mit Sturmböen ausgegeben.

Einige Menschen wurden bei den Unfällen verletzt. In Nordrhein-Westfalen meldete die Landesleitstelle der Polizei rund 120 witterungsbedingte Unfälle bis zum Mittag. Die meisten verliefen glimpflich, allerdings starb bei Übach-Palenberg ein 38-jähriger Mann, als ein Auto auf schneebedeckter Straße in den Gegenverkehr rutschte.

Stark beeinträchtigt wurde auch der Verkehr am Frankfurter Flughafen. Am Morgen fielen bereits mehr als 200 Flüge aus, wie ein Sprecher sagte. Vor allem innerdeutsche Flüge und Kontinentalflüge mussten gestrichen werden. Zudem kam es zu zahlreichen Verspätungen.

Meterhohe Schneeverwehungen auf Rügen

Im Norden der Insel Rügen mussten nach Angaben der Straßenmeisterei wegen des starken Windes immer wieder vor allem auf Nebenstraßen teilweise meterhohe Schneeverwehungen geräumt werden. Starker Schneefall, Sturm und umgestürzte Bäume brachten den Verkehr in Teilen des Harzes zum Erliegen. Laut Polizei ereigneten sich am Vormittag etliche Unfälle. Dabei sei es aber bei Blechschäden geblieben.

Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte, kamen die Schneewolken von Tief „Daisy“ „mit etwas Verzögerung und auch nicht in dem von manchen befürchteten Ausmaß“ über Deutschland. Bis zum Samstagmorgen fielen in einem breiten Streifen von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz bis Sachsen und ins südliche Brandenburg meist drei bis zehn Zentimeter Neuschnee. Örtlich, vor allem in den Mittelgebirgen, lag die Höhe auch bei 15 Zentimetern.

Im Flachland des Nordens beziehungsweise den tieferen Regionen des Mittelgebirgsraums blieb es meist bei Böen der Stärke sieben. Auf den Bergen und an der Ostsee wurden Böen der Stärke acht bis neun gemessen. Am Nachmittag sollte es vor allem in der Mitte und in Norddeutschland weiter schneien. Für abends waren insbesondere an den Küsten teilweise schwere Sturmböen angekündigt.

Passagiermaschine neben der Rollbahn

Der Betrieb auf den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn lief nach Angaben eines Flughafensprechers am Vormittag zunächst ohne Behinderungen. Seit Freitagabend sind auf dem Flughafen in Frankfurt am Main allerdings mindestens 150 Flüge gestrichen worden. Grund seien starker Schnee, Wind und schlechte Sicht gewesen.

Für 300 bis 400 Lastwagenfahrer an der deutsch-französischen Grenze im baden-württembergischen Neuenburg entspannte sich die Lage: Die französischen Behörden ließen die auf der Autobahn 5 gestauten Fahrzeuge am Vormittag wieder auf die zuvor gesperrte Autobahn 35. Seit Freitagabend hatten die Lastwagenfahrer bei Minus-Temperaturen auf der Autobahn 5 ausgeharrt. Sie waren von deutschen Helfern mit Decken und Tee versorgt worden. Vor der Grenze hatten sich am Samstag morgen nach Angaben der Autobahnpolizei in Weil am Rhein rund 500 Lastwagen gestaut.

Stärkere Niederschläge gab es nach Auskunft  des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach in der Eifel und im Odenwald, in der Pfalz, im nördlichen Hessen, im Harz und im Rhein-Main-Gebiet. Auch in einigen Küstenregionen Mecklenburg-Vorpommerns schneite es kräftig. Im Zugverkehr meldete die Deutsche Bahn lediglich kleinere Verspätungen auf Regionalstrecken in Rheinland-Pfalz. Zugausfälle gab es laut einer Sprecherin jedoch nicht. Auf dem Flughafen Nürnberg kam am Freitagabend ein Passagierflugzeug der Air Berlin mit 133 Passagieren auf dem Weg zur Startbahn von der Rollbahn ab und landete im Schnee. Die Passagiere, die nach Dortmund fliegen wollten, konnten die Maschine über normale Treppen verlassen. Der Betrieb wurde für mehr als zwei Stunden gesperrt. Sieben Flüge wurden gestrichen, einige ankommende Maschinen wurden nach München umgeleitet.


Daisy soll noch stärker werden

Das Schneefallgebiet zieht nach Auskunft der Meteorologen am Vormittag langsam nord-nordwestwärts und wird von Osten her stärker. Dabei frischt der Wind aus Nordost auf, im Bergland und an der Ostseeküste kommt es zu Sturmböen. In Kombination mit stürmisch auffrischendem Wind kann es zu Verwehungen, die zu teils erheblichen Verkehrsbehinderungen führen können. Dabei besteht vor allem im Süden Glättegefahr durch gefrierenden Sprühregen.

Für den weiteren Tagesverlauf werden starke Schneefälle mit Schneeverwehungen in allen Flächenländern mit Ausnahme Bayerns,
Baden-Württembergs, des Saarlands und Schleswig-Holsteins erwartet. Dabei könne es in einigen Gebieten zu Neuschneemengen von bis zu 15 Zentimetern und Windböen von bis zu 85 Kilometer pro Stunde kommen.

Seit Freitagabend sind auf dem Flughafen in Frankfurt am Main bislang 150 Flüge gestrichen worden. Grund seien starker Schnee, Wind und schlechte Sicht gewesen, sagte ein Sprecher des Flughafens am Samstagmorgen. Die Atmosphäre auf dem Flughafen sei
aber dennoch ruhig und das Passagieraufkommen gering. Reisenden empfahl der Sprecher, sich bei ihren Fluggesellschaften, im Internet und den Videotexten der Fernsehsender über anstehende Flüge zu informieren. An anderen Flughäfen wie etwa Berlin, Düsseldorf und München kam es unterdessen zu Verspätungen. Flüge wurden dort aber bislang nicht gestrichen.

Bundesamt rät zu Vorratskäufen

Seit Tagen warnen Meteorologen vor „Daisy“ und vor gewaltigen Schneemassen, die auf Deutschland niedergehen sollen. Der offizielle Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach gab eine Unwetterwarnung heraus und kündigte erhebliche Behinderungen auf den Straßen, aber auch im Bahn- und Flugverkehr an. Die Bahn versicherte noch am Freitag, gerüstet zu sein. Der Flughafen Frankfurt besorgte vorsichtshalber Feldbetten für die Menschenmassen, die dort zu stranden drohen. Die kinderfreundliche Stadt Verden hatte schon vorher schulfrei gegeben. Der ADAC beklagte Versorgungsengpässe beim Streusalz.

Höhepunkt war eine dpa-Meldung am Freitagmittag: Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Christoph Unger, habe angesichts des drohenden Schneesturms den Bürgern geraten, sich für mehrere Tage mit Lebensmitteln einzudecken. Ausreichend Trinkwasser, ein Medikamentenvorrat und Kerzen sollten im Haus sein, riet Unger. Gut wäre auch ein batteriebetriebenes Radio, denn im Fall eines Stromausfalls wären ja andere Kommunikationsmittel wie Fernsehen oder Computer nicht einsatzfähig. Auch Mobiltelefone ließen sich dann nicht mehr aufladen.

Aufforderung zu Hamsterkäufen? Will der Katastrophenschutz alle Bürger hysterisch machen? „Auf keinen Fall“, beruhigte ein Sprecher des Bundesamtes nachträglich. Es sei nicht beabsichtigt, Panik zu schüren. Es gehe vielmehr darum, „dass Bürger generell Vorsorge betreiben“. Es könne immer einmal irgendetwas passieren. Die Unwetterwarnung des Wetterdienstes sei ein Anlass gewesen, darauf hinzuweisen, dass Bürger immer Vorsorge tragen sollten.

Daisy hat sich ein Buch gekauft

Ein bisschen Sorge kann vielleicht nicht schaden. Auch wenn niemand weiß, ob es tatsächlich zu einem Unwetter kommt, oder ob alles nur falscher Alarm war. Die Meteorologen kündigten für die Nacht zum Samstag und das ganze Wochenende starke Schneefälle an. Jürgen Heise von der Freien Universität Berlin sprach von bis zu 15 Zentimetern bis Samstagabend. Allerdings warnte er vor starken Schneeverwehungen. Die Windgeschwindigkeiten könnten bis zu Stärke sieben oder acht betragen. Erst am Montag soll sich das Wetter wieder beruhigen, sagte Heise.

Schon am Freitag lagen auf den Ostseeinseln Rügen und Hiddensee nach Angaben der Meteomedia-Unwetterzentrale bis zu 35 Zentimeter Schnee. Kap Arkona meldete laut DWD 29 Zentimeter Neuschnee.

Alles wegen „Daisy“. Dabei ist Daisy eigentlich eine Frau aus Dresden. Ein Internet-Unternehmer in München schenkte ihr laut „Leipziger Volkszeitung“ zum 24. Geburtstag eine Wetterpatenschaft der FU Berlin. So bekam das jetzige Tief seinen Namen. Daisy hat sich ein Buch gekauft und will zum Schutz vor ihrem Tief das ganze Wochenende zu Hause verbringen. Eine Meldung am Freitag, nach der Daisy die verstorbene Katze des Unternehmers sei, wurde später von ihm dementiert. „Daisy“ wird nun für alle unvergessen bleiben. Vor allem für die Bahnmitarbeiter, die am Samstag und Sonntag in eisiger Kälte ausrücken werden, um zugewehte Weichen freizuschaufeln.

Bahn ist vorbereitet

Mehrere hundert Mitarbeiter seien in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden, teilte die Bahn mit. Das Servicepersonal in großen Bahnhöfen sowie Leitstellen, Betriebszentralen und Winterdienste würden verstärkt. Die Bahn habe sicherheitshalber Busse als Ersatz bestellt und halte zusätzliche Dieselloks in Reserve, die zum Beispiel bei Oberleitungsschäden eingesetzt werden können. Im Güterverkehr haben zusätzlich Lokführer sowie Mitarbeiter in den Frachtzentren und der Instandhaltung Bereitschaft.

Im ganzen Land präparierten Autobahnmeistereien und Kommunen Schneepflüge und Streufahrzeuge. Die Streusalzhersteller haben angesichts der Versorgungsengpässe in vielen Kommunen die Herstellung hochgefahren. „Seit zwei Wochen produzieren wir unter Volllast an der Kapazitätsgrenze – auch über die Feiertage hinweg“, sagte ein Sprecher des Kasseler Düngemittel- und Salzproduzenten K + S . (mit dpa/ddp/rtr)

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