Urlaub auf Mallorca : Die Bettensteuer kommt

Ab Freitag muss jeder Urlauber auf den Balearen eine Bettensteuer zahlen. Hoteliers fürchten einen Rückgang der Buchungen - doch auf Mallorca ist es voll wie nie.

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Da ist kaum noch Platz. Mallorcas Strände sind überfüllt. Foto: dpa
Da ist kaum noch Platz. Mallorcas Strände sind überfüllt.Foto: dpa

Schon auf dem mallorquinischen Flughafen Son Sant Juan bekommen die ankommenden Urlauber dieser Tage zu spüren, was sie diesen Sommer auf Europas beliebtester Urlaubsinsel erwartet: Schlange stehen. Am Taxistand. Am Mietwagenschalter. Und auf dem riesigen Airport-Busparkplatz, von dem aus die Reiseveranstalter die Urlaubermassen zu den Unterkünften auf der ganzen Insel karren. Von Januar bis Ende Mai wurden schon elf Prozent mehr Passagiere auf dem Flughafen gezählt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres – insgesamt 7,2 Millionen. Ein neuer Besucherrekord. Und die Hochsaison läuft gerade erst an.

Im Sommer werden auf diesem größten Urlauberdrehkreuz Spaniens jeden Monat mehr als drei Millionen Fluggäste erwartet – vor allem aus Deutschland und Großbritannien. Viele Touristen entscheiden sich für Mallorca, weil ihnen Urlaube in Nordafrika oder Türkei nach den Terroranschlägen zu gefährlich geworden sind.

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Es sieht also nicht danach aus, als ob die neue Urlaubssteuer, die von diesem Freitag an kassiert wird, die Urlauber abschreckt. Und wenn doch ein paar Feriengäste fernbleiben, würde dies vermutlich eher zur Entspannung der Lage in diesem vom Kollaps bedrohten Paradies beitragen. Denn diesen Sommer werden Mallorcas Strände, Straßen und Städte wie noch nie überfüllt sein. Staus und Parkplatzprobleme erwarten die Mietwagenfahrer.

Zwischen 0,5 und zwei Euro müssen nun in der Hochsaison pro Person und Nacht an der Hotelrezeption bezahlt werden – je nachdem, ob der Gast in einer einfachen Herberge oder in einem Luxushotel unterkommt. So beschloss es das seit Mitte 2015 von linken Parteien beherrschte Parlament der Balearen in Palma de Mallorca im Frühjahr. Kinder unter 17 zahlen nicht. Ab der zweiten Urlaubswoche kostet es die Hälfte, in der Nebensaison gibt es ebenfalls Rabatt. Zusätzlich werden zehn Prozent Mehrwertsteuer erhoben. Auch Kreuzfahrtpassagiere und Gäste von Ferienwohnungen kommen nicht ungeschoren davon.

„Dank deines Beitrages werden wir so in der Lage sein, auf Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera die Auswirkungen des Tourismus auf Natur und Landschaft durch dringend notwendige Investitionen auszugleichen“, heißt es auf der Webseite der Inselregierung. Damit begründet sie die „Steuer für nachhaltigen Tourismus“, wie die Abgabe offiziell heißt. Wichtigster Verwendungszweck sei demnach „der Schutz, der Erhalt und die Wiederherstellung von Umwelt und Meer“. Naturparks sollen erweitert, Rad- und Wanderwege verbessert und Kulturdenkmäler renoviert werden. Straßenlaternen will man mit Solarstrom betreiben und das marode Trinkwasser- und Abwassersystem modernisieren. Doch auch wenn das zunächst gut klingt und die Buchungen für die Sommermonate deswegen bisher nicht zurückgegangen sind, ist der Widerstand gegen die Feriensteuer weiterhin groß.

Was wird aus den britischen Touristen?

Obwohl andere spanische Regionen wie Katalonien mit Touristen-Abgaben ähnlich der deutschen Kurtaxe gute Erfahrungen machen, haben viele Mallorquiner die Zeit zwischen 2001 und 2003 in Erinnerung. Dank einer Sondersteuer waren damals zwar 160 Millionen Euro in die Insel-Kassen geflossen – unterm Strich blieb aber wegen des Einbruchs der Buchungen ein großes Minus. Man hat nun Angst, dass sich die Abgabe erneut als Boomerang erweist und vor allem die Billigtouristen unter den 12,5 Millionen Gästen verschreckt, die 2015 die Insel besuchten.

Hoteliers halten die Bettensteuer, die auf allen Balearischen Inseln erhoben wird, jedenfalls für geschäftsschädigend. „Mittel- und langfristig“ leide die Wettbewerbsfähigkeit, sagt Inmaculada Benito, die Chefin des Hotelverbandes Fehm. Und Gabriel Escarrer Julià, der Präsident der Hotelkette Meliá, die ihren Hauptsitz auf Mallorca hat, spricht von einem „Schuss ins eigene Bein“. Davon, dass die blendend verdienenden Hotels die Taxe ihrer Gäste übernehmen, ist inzwischen übrigens keine Rede mehr. „In den meisten Fällen wird man die Steuer von den Kunden einziehen“, sagt Benito.

Angst herrscht vor allem auch in der bei Briten beliebten Urlauberhochburg Magaluf westlich von Palma. Dort fürchtet man, dass neben der Steuer auch der Brexit den Mallorca-Boom beenden könnte. Beim mallorquinischen Hotelverband bewertet man den Austritt Großbritanniens als „schweren Schlag für die Tourismusindustrie“. Denn wenn das britische Pfund weiter an Wert verliere, werde der Mallorca-Urlaub für die Briten, die 25 Prozent aller Inselgäste stellen, sehr viel teurer. Sie könnten sich dann gezwungen sehen, ihren Urlaub zu kürzen oder ganz zu Hause zu bleiben. (mit dpa)

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