Urlaub wird zur Tragödie : Tod in Andalusien

Tagelang suchten spanische Polizisten und freiwillige Helfer einen kleinen Jungen aus Deutschland. Der Fünfjährige starb unter ungeklärten Umständen – die Mutter ist nicht ansprechbar.

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Die spanischen Suchtrupps kamen zu spät.
Die spanischen Suchtrupps kamen zu spät.Foto: AFP

Am Freitagvormittag gegen elf Uhr fand ein Suchtrupp den Leichnam des Kleinen in einer unwegsamen Bergregion rund 50 Kilometer nördlich der andalusischen Stadt Cordoba. Die Todesursache ist völlig unklar. Möglicherweise starb der Junge an den Folgen der Gluthitze in dieser Region und an Wassermangel.

Die Mutter des Fünfjährigen war bereits am Dienstag in verwirrtem Zustand an einer Tankstelle in der Nähe der Ortschaft Espiel gefunden worden. Auch die Frau war nach Angaben der Polizei geschwächt und litt unter Dehydrierung, weil sie offenbar längere Zeit nichts mehr getrunken hatte. Sie hatte Prellungen und Hautabschürfungen im Gesicht, stand offenbar unter Schock. Sie berichtete den Beamten, dass ihr Sohn verschwunden sei, konnte aber keine weiteren Angaben machen. „Sie konnte uns keine Hinweise geben. Sie sprach kaum, und wenn sie es tat, brachte sie uns noch mehr durcheinander“, sagte Bürgermeister Fernandez.

Seitdem durchkämmte die Polizei mit Hundestaffeln und mit Hubschraubern aus der Luft die Region der „Sierra de Castillo“, die bei Wanderern und Kletterern sehr beliebt ist. Am Donnerstag fanden die Helfer dann das Auto, mit dem Mutter und Sohn in die Berge gefahren waren, an deren Fuß idyllisch die Talsperre „Puente Nuevo“ liegt. Ein Opel Astra mit Kennzeichen des Eneppe-Ruhr-Kreises in Nordrhein-Westfalen. Mutter und Sohn sollen aus Herdecke stammen. Das letzte Mal waren die beiden am Sonntag von Zeugen gesehen worden. Sie waren beim Angeln an der Talsperre. Spätestens am Montag begann dann den Ermittlungen zufolge das Drama: An diesem Tag soll die Frau per Handy versucht haben, Hilfe herbeizuholen, weil ihr Wagen eine Panne hatte und in den Bergen liegen geblieben war. Doch die Pannenhelfer kamen nicht an, weil sie das Fahrzeug nicht fanden.

Wie es dann weiterging, ist bisher ein Rätsel mit vielen unbeantworteten Fragen: Wollte die Frau vielleicht Hilfe holen? Was geschah mit ihrem kleinen Sohn? Wann starb er? Woran? Liegt vielleicht doch ein Verbrechen vor?

Seine Leiche wurde unter den ausladenden Ästen eines großen Busches gefunden, als ob er Schutz im Schatten gesucht hätte, berichtete der Bürgermeister des Dorfes Espiel, Jose Antonio Fernandez. Neben dem Körper eine leere Wasserflasche. Zwei Rucksäcke. Im nicht weit entfernten Auto lagen Kleidung und ein Zelt, offenbar wollten die beiden in der Natur übernachten.

Dem Bürgermeister zufolge waren auf den ersten Blick keine Anzeichen von äußerlicher Gewaltanwendung festzustellen. Der Junge habe die gleiche Kleidung am Körper gehabt, wie auf jenem Suchfoto, das die Polizei zur Fahndung benutzt und offenbar auf dem Mobiltelefon der Frau gefunden hatte.

Die spanische Kripo erhofft sich nun von der Autopsie näheren Aufschluss. „Bis die Untersuchungsergebnisse vorliegen“, erklärte ein Polizeisprecher, „können wir nicht mit Sicherheit sagen, was vorgefallen ist.“

Der Vater des Kindes, der von seiner Frau getrennt in Dortmund lebt, ist am Freitag nach Spanien geflogen. Bei Durchsuchungen der Wohnung von Mutter und Sohn in Herdecke habe es keine Hinweise auf ein Verbrechen gegeben, hieß es.

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