Urteil : Babys nach Geburt getötet - sieben Jahre Haft

Weil sie drei ihrer Kinder direkt nach der Geburt getötet hat, muss eine Frau aus Sachsen-Anhalt ins Gefängnis. Das Landgericht Stendal verurteilte sie zu sieben Jahren Haft wegen Totschlags.

StendalDas Gericht sah es als erwiesen an, dass die Frau zwischen Januar 2001 und Dezember 2005 zwei Jungen und ein Mädchen zur Welt gebracht und direkt getötet hatte. Die Postangestellte hat zwei weitere Kinder im Alter von drei und 18 Jahren.

Die teils skelettierten Babyleichen waren im März 2006 auf dem Dachboden des Hauses gefunden worden, in dem die Frau wohnte. Sie waren in Plastiktüten und Kunststoffbehälter verpackt. Dem Ehemann fielen die Päckchen auf, als er mit einem Bekannten Umzugskartons durchsuchte, um seinen Auszug und die Trennung von der Frau vorzubereiten. Die Mutter hatte daraufhin noch versucht, eine Babyleiche als "Kuchen- oder Schokoladenreste" in einer Mülltonne zu entsorgen.

Offen blieb während des Prozesses, wie die Babys ums Leben kamen. Gutachter konnten wegen der fortgeschrittenen Verwesung keine Angaben zur Todesursache machen. Die Angeklagte schwieg in dem Verfahren beharrlich, räumte die Tat laut Urteil aber in einem Gespräch mit einem Arzt ein, der nach Entbindung von seiner Schweigepflicht als Sachverständiger ausgesagt hatte.

"Sie wissen, dass Sie ihre Kinder getötet haben"

"Sie wissen, dass Sie ihre drei Kinder getötet haben und Sie leiden schwer darunter", sagte der Vorsitzende Richter Gerd Henss zu der Angeklagten, die die Urteilsbegründung weinend verfolgte. Es sei nicht auszuschließen, dass die Frau zum Tatzeitpunkt an einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung litt, was das Gericht strafmildernd berücksichtigt habe.

Das Gericht attestierte der Frau die Unfähigkeit, sachgerecht auf Probleme zu reagieren. Weil ihr Mann keine Kinder haben wollte, habe sie die Schwangerschaften quasi ausgeblendet. "Sie hat nicht abgetrieben, weil sie immer hoffte, dass sie die Kinder doch noch im Einverständnis mit ihrem Mann gebären kann", sagte Henss. Der Partner wie auch das Umfeld der Frau wollen von den Schwangerschaften nichts bemerkt haben. (mit dpa)

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