Urteil : Chat-Verführer landet im Gefängnis

Ein Jahr und neun Monate schickt das Landgericht Konstanz einen 53-Jährigen wegen Kindesentziehung ins Gefängnis. Er hatte eine 14-Jährige überredet, zu ihm zu ziehen. Beide hatten sich beim Chatten kennengelernt, wo sich der Arbeitslose als jung und attraktiv ausgab.

Kriminelles Ende einer Chat-Bekanntschaft: Das Landgericht Konstanz hat am Montag einen 53-jährigen Mann wegen Kindesentziehung zu einem Jahr und neun Monaten Haft verurteilt. Er hatte eine 14-Jährige im April ohne das Wissen ihrer Eltern aus ihrem Heimatort nahe Mönchengladbach (Nordrhein-Westfalen) an den Bodensee gebracht. Von der Anklage der zweifachen Vergewaltigung der Schülerin wurde er mangels Beweisen freigesprochen. Der Arbeitslose hatte das Mädchen zwei Monate zuvor im Internet kennengelernt.

Die Staatsanwaltschaft hatte fünfeinhalb Jahre beantragt. Der Angeklagte aus dem baden- württembergischen Eigeltingen habe die Schülerin im April von ihrem Wohnort bei Mönchengladbach (Nordrhein-Westfalen) gegen ihren Willen an den Bodensee verschleppt und zweimal vergewaltigt, sagte Staatsanwalt Heiner Fritze.

Der Angeklagte gab sich als jung und attraktiv aus

Den Beteuerungen des Angeklagten, das Mädchen sei mit allem einverstanden gewesen, schenkte Fritze keinen Glauben. "Sie haben in Chatrooms gezielt nach Kontakten gesucht, die sich sexuell ausnutzen lassen", hielt er dem geschiedenen Vater von vier Kindern vor. Der 53-Jährige habe sich im Netz als jung und attraktiv ausgegeben und das Mädchen mit Schmeicheleien und Vortäuschen einer großen Liebe "regelrecht eingeseift".

Er habe das Kind, das Stress mit seinen Eltern hatte, überredet, zu Hause auszureißen und zu ihm zu ziehen, sagte der Staatsanwalt. Als der Mann am Treffpunkt auftauchte, habe die 14-Jährige wegen des Alters des Chat-Partners "einen Riesenschreck" bekommen und nicht mehr mitfahren wollen. Er habe die Schülerin jedoch ins Autos gedrängt und sei mit ihr an den Bodensee in die Wohnung eines Freundes gefahren. (jg/dpa)

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