Urteil : Freispruch für Michael Jackson

Triumph für Michael Jackson vor Gericht: Der Popstar ist am Montag in allen zehn Anklagepunkten, darunter vier Vorwürfen des sexuellen Kindesmissbrauchs, freigesprochen worden.

Santa Maria (14.06.2005, 08:00 Uhr) - Es war ein tränenreicher Montag in Santa Maria. Michael Jackson wischte die ersten Tränen ab, nachdem zum siebten Mal das Urteil «Nicht Schuldig» im Gericht der kalifornischen Kleinstadt verlesen wurde. Dann griff er weiter zum Taschentuch. In allen zehn Anklagepunkten - von Kindesmissbrauch bis zur Abgabe von Alkohol an einen Minderjährigen - wurde der abgemagerte und längst als «King of Pop» entthronte Sänger von einer Geschworenenjury freigesprochen.

Zu Tränen der Erleichterung, dass der Prozess nun endlich vorbei ist, bekannte sich eine 42-jährige Geschworene nach der Urteilsverlesung. «Keiner hat gewonnen, weder Michael Jackson, noch die Familie des Jungen», sagte die vierfache Mutter. Unter der Vorgabe «jenseits eines vernünftigen Zweifels» hätten sie einfach kein anderes Urteil fällen können. Für einen Schuldspruch war Jacksons 15-jähriger Beschuldiger, ein ehemals krebskranker Junge, nicht glaubwürdig genug, so das einstimmige Urteil.

Freudentränen vermischten sich mit Jubelrufen vor dem Gerichtsgebäude und der mit roten Herzen geschmückten Auffahrt zu Jacksons Neverland-Ranch. Hunderte von Fans aus aller Welt feierten das vorläufige Comeback ihres Idols. Sie sei sprachlos, sagte die aus Deutschland angereiste Melanie Reichert (24) der «Los Angeles Times». «Ich bin so froh, dass andere es auch sehen. Er (Jackson) ist ein wunderbarer Mensch. Jeder sollte wie er sein: Unschuldig und kindlich.»

Zum Jubeln fehlte Jackson die Kraft. Matte Kusshände warf er den Fans zu, bevor er von seinem Vater gestützt wortlos in einer der wartenden Limousinen verschwand. Er ruhe sich im Kreis der Familie aus, sagte Bruder Tito dem Sender MSNBC. Bruder Jermaine stimmte einen fröhlicheren Ton an. «Wir umarmen uns und springen auf und ab», sagte Jermaine. Das Urteil hätte seinen Bruder nun vollständig rehabilitiert. «Michael hat Neverland gebaut, um damit Freude in das Leben von Kindern zu bringen.»

Doch auch nach dem Freispruch hängt eine dunkle Wolke über Jacksons Peter-Pan-Paradies. «Ich glaube, dass Jackson in all den Jahren Jungen auf Neverland belästigt hat», bekannte einer der Juroren freimütig auf CNN. Doch für den 62-jährigen Ingenieur kam nur ein Freispruch in Frage, weil er dem jugendlichen Beschuldiger «mit einer Lügnervergangenheit» nicht 100-prozentig trauen konnte.

Jacksons Zukunft ist nun das nächste Kapitel in dem dramatischen Thriller des Entertainers, dessen Karriere schon lange vor dem Prozess am Ende war. Bruder Jermaine hat keine Zweifel an dem Comeback des Sängers: «Es steckt in seinem Blut und seinen Knochen». Auch Bruder Tito fand nach dem Freispruch große Worte: «Er ist und bleibt Michael Jackson». Nur den wenigsten kommt dabei noch der einstige Superstar mit Hits wie «Thriller» und «Bad» in den Sinn. (tso)

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