Urteil : Lebenslange Haft für Mirjams Mörder

Wegen Mordes an der 13 Jahre alten Mirjam hat das Landgericht Freiburg einen Bauarbeiter zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Mann hatte das Mädchen im April 2004 nach einer versuchten Vergewaltigung stranguliert.

FreiburgDie Richter sahen es in ihrem Urteil als erwiesen an, dass der Bauarbeiter die Schülerin aus dem südbadischen Auggen im April 2007 in sexueller Absicht in seine Gewalt brachte und schließlich tötete. Der Angeklagte hatte die Tat vor Gericht eingeräumt.

Mirjam hatte sich am 20. April mit ihrem Fahrrad auf dem Weg zu ihrer Schule befunden, als sie von dem 31-Jährigen zwischen Auggen und Neuenburg angehalten und ins Unterholz gezerrt wurde. Der Bauarbeiter, der ebenfalls in Auggen wohnte, wollte sich nach Darstellung des Gerichts dort an dem Mädchen sexuell vergehen. Als er die 13-Jährige überwältigt hatte, habe er jedoch Angst vor Entdeckung seiner Tat bekommen. Da habe sich "der Schalter zur Gewalt" umgelegt, sagte der Vorsitzende Richter.

Letztlich würgte der Mann die Schülerin bis zur Bewusstlosigkeit, schlug mit einer Flasche auf sie ein, trat ihr in den Körper und strangulierte sie mit ihrer eigenen Jacke zu Tode, ohne dass es zuvor zu einer Vergewaltigung gekommen war. Wenige Wochen später wurde er aufgrund eines DNA-Abgleichs als Täter überführt. Er war einer von mehreren hundert Personen, die die Ermittler nach der Tat entlang des Schulwegs des Opfers befragt hatten. Dabei hatte er sich durch widersprüchliche Angaben verdächtig gemacht.

Keine Spontantat

Der Angeklagte sei im vollen Umfang für die Tat verantwortlich, sagte der Richter. Eine eingeschränkte Schuld- oder Steuerungsfähigkeit oder eine abseitige sexuelle Neigung stellte er nicht fest. Auch von einer Spontantat ging die Kammer nicht aus. Sie nahm vielmehr an, dass der Angeklagte, der erst mit 29 Jahren seine erste Freundin kennenlernte, schon länger Sexualfantasien gehabt hatte, die womöglich durch das Internet inspiriert waren.

Der Bauarbeiter hatte in dem Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der Vorsitzende Richter wertete es als positiv, dass der Ablauf der Tat dadurch weitgehend geklärt werden konnte. Die Frage nach dem Warum bleibe jedoch unbeantwortet. Der Angeklagte müsse sich damit in der Haft auseinandersetzen, wenn er jemals wieder freikommen wolle.

Mit dem Urteil entsprach das Gericht der Forderung des Staatsanwalts und des Verteidigers, die beide auf lebenslänglich plädiert hatten. Anders als von der Staatsanwaltschaft darüber hinaus beantragt, ging die Kammer jedoch nicht von einer besonderen Schwere der Schuld aus. Bei dieser Feststellung wäre eine vorzeitige Entlassung aus der Haft nach frühestens 15 Jahren nahezu unmöglich. (mit ddp)

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