Urteil : "Perlentaucher" gewinnt vor Gericht gegen "FAZ" und "SZ"

Die verkürzte Wiedergabe von Buch- und Literaturkritiken aus Tageszeitungen im Internet ist rechtlich zulässig. Zwei Zeitungen hatten geklagt, da das Internet-Portal "Perlentaucher" deren Bücherrezensionen zusammenfasst und weiterverkauft.

Frankfurt/MainDas Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt entschied in zweiter Instanz auf Klagen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Süddeutschen Zeitung" für das Internet-Portal "Perlentaucher". Dessen Zusammenfassungen der Rezensionen wiesen den "erforderlichen Abstand zu den Originalvorlagen" auf, begründeten die Richter ihre Urteile und bestätigten die Vorentscheidungen des Landgerichts Frankfurt.

Die Zeitungsverlage hatten sich wegen der Veröffentlichung der sogenannten Abstracts in ihren Verwertungsrechten verletzt gefühlt. Sie wollten die Zusammenfassungen generell verbieten lassen, mindestens aber solche, die in weiten Passagen aus den Originalen zitierten. "Perlentaucher" veröffentlicht die kurzen Texte nicht nur auf seiner Website, sondern vergibt auch an Internet-Buchhandlungen Lizenzen zur Weiterverbreitung.

Die Frankfurter Richter folgten den Zeitungsverlagen nur insoweit, als sie den Anteil der Originalzitate als Indiz für die Frage bewerteten, wie weit die Zusammenfassung vom Original entfernt ist. Aber gerade in der Komprimierung könne eine eigenständige schöpferische Leistung liegen, wie das Gericht schriftlich mitteilte. Ein generelles Verbot von Zusammenfassungen könne es schon deshalb nicht geben, weil grundsätzlich jeder ein veröffentlichtes Werk - hier also die in den Zeitungen erschienenen Kritiken - beschreiben dürfe. Das Grundrecht der Berichterstattung müsse selbst dann geschützt werden, wenn damit kommerzielle Interessen verfolgt würden.

Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig, da der elfte OLG-Senat Revision beim Bundesgerichtshof zugelassen hat. (imo/dpa)

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