Urteil : Traumatisierter Lokführer erstreitet Unfallfürsorge

Ein durch mehrere Dienstunfälle psychisch traumatisierter Lokführer hat vor dem Verwaltungsgericht Münster eine Unfallfürsorge durch das Bundeseisenbahnvermögen erstritten.

Münster/Steinfurt - Wie das Gericht bekannt gab, muss die Bundesbehörde für den Mann die Kosten einer sechswöchigen Heilkur sowie einer psychotherapeutischen Behandlung übernehmen.

Nach Angaben des Gerichts hatte der Lokführer 1975, 1993 und 1996 mit Zügen Selbstmörder überrollt. Im Dezember 1996 musste er erleben, wie ein Kollege bei einem Unfall ums Leben kam. Im Februar 1997 stand er als Mitfahrer im Führerstand einer Lok, die mit einem Traktor zusammenstieß. Zudem gab es weitere Zwischenfälle, bei denen Menschen verletzt wurden oder das Bremssystem des Zugs versagte.

Da der Lokführer unter anderem von den Selbstmorden auf der Bahnstrecke träumte, begab er sich 2003 in psychotherapeutische Behandlung. Die Kosten dafür und für eine Heilkur wollte das Bundeseisenbahnvermögen nicht übernehmen. Dabei stützte sich die Behörde auf die Untersuchung einer Ärztin, laut der die psychischen Beschwerden des Mannes nicht durch die Zwischenfälle verursacht worden seien.

Dieser Argumentation schloss sich das Verwaltungsgericht aber nicht an. Die Feststellungen der Ärztin beruhten "nur auf einer Momentaufnahme und litten an zahlreichen Mängeln", hieß es. Deshalb müsse das Bundeseisenbahnvermögen die Kosten der Unfallfürsorge übernehmen (tso/ddp)

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