Urteil : Videoaffäre: Mosley erringt juristischen Sieg

Ein Londoner Gericht verurteilte am Donnerstag die englische Boulevardzeitschrift "News of the World" zu einer Zahlung von 60.000 Pfund. Das Blatt hatte auf seiner Internetseite ein Sexvideo von Automobil-Weltverbandschef Max Mosley veröffentlicht und behauptet er betreibe Nazi-Rollenspiele.

Max Mosley
Max Mosley. Der FIA-Chef erzielte einen juristischen Sieg gegen das Boulevardblatt "News of the World". -Foto: dpa

LondonDer wegen der Affäre um ein Sexvideo in Bedrängnis geratene Präsident des Internationalen Automobilverbandes (FIA), Max Mosley, hat einen juristischen Sieg erzielt. Ein Londoner Gericht verurteilte am Donnerstag den britischen Zeitungsverlag "News Group Newspapers" zur Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 60.000 Pfund (76.000 Euro) wegen Verletzung der Privatsphäre und der Übernahme der Gerichtskosten von rund 570.000 Euro. Die zum Verlag gehörende Boulevard-Zeitung "News of the World" hatte im März auf ihrer Internetseite ein Video veröffentlicht, in dem Mosley bei Sexspielen mit Prostituierten zu sehen war und behauptet, die Aufnahmen zeigten Mosley bei Nazi-Rollenspielen. Die heimliche Aufnahme des Videos und die massive Berichterstattung darüber seien weder durch öffentliches Interesse noch anders zu rechtfertigen, begründete Richter David Eady sein Urteil.

Das Gericht folgte in seiner Urteilsbegründung Mosleys Angaben, nach denen es "keine Beweise" für das in den Zeitungsberichten genannte, vermeintliche Nazi-ähnliche Verhalten gebe. "Es gab Fesselungen, Schläge und Domina-Spiele, die für sadomasochistische Praktiken typisch zu sein scheinen", erklärte der Richter. Dies reiche aber nicht als Begründung für eine Berichterstattung in einem derart "massiven Umfang". Mosley übertreibe kaum, wenn er sage, dass sein Leben dadurch "ruiniert" worden sei, sagte der Richter weiter. Das erhoffte Präzedenzurteil, das Strafzahlungen in Millionenhöhe bedeutet hätte, verweigerte das Gericht dem Automobil-Weltverbandschef aber, um investigativen Journalismus auch in Zukunft nicht zu behindern.

Mosley wehrt sich gegen Nazi-Vorwürfe

Der Chefredakteur von "News of the World", Colin Myler, kritisierte das Urteil als Gefahr für die Pressefreiheit. "Diese Geschichte war von öffentlichem Interesse und wurde daher zurecht veröffentlicht", erklärte Myler. Mosley hatte eingeräumt, an der Orgie mit fünf Prostituierten teilgenommen und jeder Frau umgerechnet 630 Euro für ihre Dienste gezahlt zu haben. Er wehrte sich jedoch vehement gegen die Nazi-Vorwürfe. Im Prozess sagte der FIA-Chef, er könne sich schon wegen seiner Familiengeschichte nur wenige "unerotischere Dinge als Nazi-Rollenspiele" vorstellen. Mosley ist der Sohn des britischen Rechtsextremisten Oswald Mosley, der als Freund und Bewunderer Adolf Hitlers galt und in den 30er Jahren in Großbritannien eine faschistische Partei gegründet hatte.

Wegen der Affäre war Mosley stark unter Druck geraten. Zwar konnte er Rücktrittsforderungen erfolgreich abwehren und darf bis zum Ende seiner Amtszeit bleiben. Doch der ADAC, der größte Automobilclub der Welt, lässt seine Mitarbeit in der Organisation ruhen. (jg/AFP/dpa)

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