US-Gesundheitssystem : Psychiatrie-Patient stirbt – Pfleger spielten Karten

Pflegeskandal in den USA: 22 Stunden lang hat ein Patient in einer psychiatrischen Klinik auf Hilfe gewartet – vergeblich. Das Pflegepersonal der Klinik vertrieb sich die Zeit mit Kartenspielen und Fernsehgucken. Um den 50-Jährigen kümmerte man sich erst als es bereits zu spät war. Der Mann verstarb wegen eines "Herzproblems".

WashingtonStatt sich um den 50-Jährigen in einem Krankenhaus in Goldsboro (US-Staat North Carolina) zu kümmern, habe das Pflegepersonal von vier Schichten Karten gespielt, Fernsehen geschaut und telefoniert, melden lokale Zeitungen unter Berufung auf einen Bericht der Behörden.

Den Angaben zufolge hatte sich der Mann zunächst an seiner Medizin verschluckt und gehustet - eine Krankenschwester sah tatenlos zu. Danach sei der 50-Jährige mit seinem Stuhl umgefallen und habe sich den Kopf gestoßen. Das Pflegepersonal habe aber nicht sagen können, ob er sich verletzte. Dann habe der Patient einen ganzen Tag lang nichts zu essen bekommen und sei schließlich wegen eines "Herzproblems" gestorben, berichtete die Zeitung "The News & Observer" über den Vorfall vom April. Die Pfleger hätten sich zudem nicht an die Anweisungen der Ärzte für die Versorgung des Mannes gehalten.

Nicht der erste Vorfall

Dem Krankenhaus drohen nun Konsequenzen. Wegen des Pflegeskandals überprüfen die Behörden, staatliche Zuschüsse für das Cherry Hospital zu streichen, meldet die Zeitung "Greensboro News Record". Der Patient habe in der Klinik "nicht mehr Aufmerksamkeit bekommen als ein Möbelstück", kommentierte das Blatt.

Die Zustände in dem Krankenhaus haben schon früher für Aufsehen gesorgt: Unlängst habe ein Arzt einen Patienten geschlagen. Vorigen Herbst seien beinahe Zuschüsse gekappt worden, weil ein anderer Kranker gesetzeswidrig festgebunden worden sei.

Pflegepersonal missachtet Vorschriften

Auch in anderen Teilen der USA kommt es immer wieder zu Klinikskandalen: Anfang Juli war in einer New Yorker Psychiatrie eine Frau im Wartezimmer qualvoll gestorben. Die 49-jährige Jamaikanerin war von einem Stuhl gestürzt, mit dem Gesicht nach unten auf den Boden gefallen und hatte Krampfanfälle bekommen.

Nach mehr als einer halben Stunde sei sie reglos liegen geblieben. Das Personal habe die Patientin in der ganzen Zeit nicht beachtet. Erst nach gut einer Stunde sei eine Schwester gekommen und habe die Frau mit dem Fuß angestoßen, drei Minuten später erschienen Sanitäter.

Im vergangenen Jahr hatte ein ähnlicher Fall in Kalifornien für Schlagzeilen gesorgt. In der Notaufnahme einer Klinik in Los Angeles kämpfte damals eine 43-jährige Frau eine dreiviertel Stunde lang mit dem Tod, ohne dass das Personal sie beachtete. Angestellte gingen achtlos vorbei, ein Putzmann wischte um sie herum. (iba/dpa)

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