Welt : US-Kinofans wählen Michael Moore

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New York In 868 Filmtheatern aller 50 US-Bundesstaaten war fast jede einzelne Vorführung von „Fahrenheit 9/11“ ausverkauft. Der cineastische Angriff von Michael Moore auf Präsident George W. Bush und dessen Irak-Politik hat sich in den USA unmittelbar nach dem Kinostart als Riesenerfolg erwiesen.

Der Dokumentarfilm spielte am Freitag, dem ersten Spieltag, mehr als acht Millionen Dollar ein. Weit mehr Amerikaner haben sich für den Moore-Film entschieden als für alle anderen an diesem Tag angelaufenen Filme, darunter die Komödie „White Chicks“ der populären Wayans-Brüder, die als Kassenmagnet galt und in drei Mal mehr Kinosälen aufgeführt wurde.

Sogar den eigenen Film „Bowling for Columbine" könnte Moore mit seinem neuen Werk übertreffen. Dieser galt bisher als erfolgreichster Kino-Dokumentarfilm der USA. Hochrechnungen sagen Moore Einnahmen von mehr als 20 Millionen Dollar, das wären etwa drei Millionen Zuschauer, allein für das Startwochenende voraus. Dieser absehbare einsame Rekord für einen Dokumentarfilm veranlasste Kommentatoren zu der Frage, ob Amerika rund 16 Wochen vor der Präsidentenwahl eine „Abstimmung an den Kinokassen“ erlebt.

Politikwissenschaftler rechnen zwar nicht damit, dass sich traditionelle Wähler der Republikaner von Moore umstimmen lassen. Sie glauben aber, dass „Fahrenheit 9/11“ junge Erwachsene, die bisher nicht zur Wahl gingen, zur Stimmabgabe veranlassen könnte.

George W. Bush zeigt sich zunehmend entnervt über den Film, der ihn als Versager im Kampf gegen den Terror und als Kriegstreiber hinstellt. Er machte zur Bedingung für ein Interview, dass er nicht nach Moore und seinem neuen Film gefragt wird. Sein Vater, Ex-Präsident George Bush, nannte Moore laut „USA Today“ einen „Drecksack“. dpa

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