Welt : US-Satellit mit Rakete abgeschossen

Berlin/Washington - Die USA haben ihren außer Kontrolle geratenen Spionagesatelliten am Donnerstagmorgen abgeschossen, bevor er in die Erdatmosphäre eintreten konnte. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums feuerte das US-Kriegsschiff „Lake Erie“ kurz vor halb fünf im Nordpazifik eine modifizierte „Standard-Missile-3-Rakete“ ab, die den Satelliten in knapp 247 Kilometern Höhe traf. Mit der spektakulären Aktion sollte verhindert werden, dass der Satellit unkontrolliert auf die Erdoberfläche abstürzt – mit 450 Kilogramm des hochgiftigen Raketentreibstoffs Hydrazin an Bord. Bei einem Absturz des Satelliten auf bewohntem Gebiet wäre nach US-Angaben die Gesundheit der Bevölkerung gefährdet gewesen.

Das Pentagon zeigte sich nach dem Abschuss zufrieden: Man sei „in hohem Ausmaß davon überzeugt“, dass der Tank direkt getroffen wurde, sagte Vizegeneralstabschef James Cartwright. Darauf deuteten ein Feuerball und eine Gaswolke nach dem Aufprall des Geschosses hin. Der Satellit von der Größe eines Schulbusses sei in zahlreiche kleine Stücke zerbrochen, keines „größer als ein Football“. Hinweise, dass Teile auf die Erde gelangt seien, gebe es bisher nicht. In den kommenden 24 bis 48 Stunden soll der überwiegende Teil der Trümmer in die Erdatmosphäre eintreten und dabei vollständig verglühen. Die übrigen Teile sollten die Atmosphäre binnen 40 Tagen erreichen. Cartwright schloss aber nicht aus, dass einige sehr kleine und daher schwer sichtbare Stücke auf die Erde fallen könnten. Länder, die davon betroffen sein könnten, seien vorab informiert worden.

In Russland hatte die Ankündigung des Satelliten-Abschusses ein geteiltes Echo ausgelöst. Das Moskauer Verteidigungsministerium warf den USA vor, unter dem Vorwand des Abschusses eine neue Art strategischer Waffen testen zu wollen. Der Chef der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos, Anatoli Perminow, bezeichnete die Entscheidung, den Satelliten im Weltraum abzuschießen, dagegen als „richtig“. Er betonte: „Wenn ein Satellit nicht mehr steuerbar ist, können seine Trümmer überall herunterfallen.“ Deshalb sei es notwendig, ihn so früh wie möglich zu zerstören. tsf/dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben