US-Wahlkampf : Stunde der Komiker

Paris Hilton als Präsidentschaftskandidatin. Komikerin Tina Fey, die Sarah Palin imitiert. Und nun die Aussicht, dass die richtige Präsidentschaftskandidatin ihre TV-Doppelgängerin nachahmt. Selten war ein amerikanischer Wahlkampf so zum Lachen.

Rita Neubauer[San Francisco]
"Wetten, dass..?" in Erfurt
Mischt auch im Wahlkampf mit: Hollywoods Partygirl Paris Hilton wirb aber wie immer nur für sich selbst. -Foto: dpa

Paris Hilton als Präsidentschaftskandidatin. Komikerin Tina Fey, die Sarah Palin imitiert. Und nun die Aussicht, dass die richtige Präsidentschaftskandidatin ihre TV-Doppelgängerin nachahmt. Selten war ein amerikanischer Wahlkampf so zum Lachen. Sollten die US-Bürger am 5. November mit einer Elche jagenden ehemaligen Schönheitskönigin aus Alaska als nächster Vizepräsidentin aufwachen, dann dürfte sich im linksliberalen Establishment nur eine Gruppe die Hände reiben: Komiker und NBC.

Seit NBC die Komikerin Tina Fey als Doppelgängerin der republikanischen Präsidentschaftskandidatin Sarah Palin auf „Saturday Night Live“ einsetzt, schnellten die Zuschauerraten um 49 Prozent gegenüber dem Vorjahr in die Höhe. 8,3 Millionen sahen die letzte „SNL“-Sendung, im Web waren es 9,3 Millionen.

Wenn auch Fey (38) drei Emmy Awards für ihre eigene Show „30 Rock“ einheimste, die Schauspielerin und Drehbuchautorin landete den größten Coup mit der extrem witzigen und treffsicheren Darstellung von Palin. „Jeden Morgen, wenn die Bürger in Alaska aufstehen, schauen sie nach draußen, ob dort irgendwelche Russen herumhängen, und fragen sie dann, was sie hier treiben“, interpretierte Fey reichlich frei Palins schwafelige Antwort in einem Interview auf die Frage nach ihrer außenpolitischen Qualifikation. „Wenn sie keinen guten Grund haben, ist es unsere Verantwortung, zu sagen: Los, verpisst euch.“ Die Nation kreischte vor Vergnügen.

Nun könnte es noch dicker kommen. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Palin selbst auf „SNL“ als Gast auftritt und dort ihre Doppelgängerin imitiert. Anfänglich pikiert beweist Palin nun Humor. „Ich liebe sie, sie ist fantastisch und so talentiert. Es würde Spaß machen, sie zu treffen und ihr neues Material zu geben.“

Ganz anders Barack Obama. Der demokratische Rivale sagte einen Auftritt auf „SNL“ mit dem Argument ab, dass es seine Partei dümmlich aussehen ließe. Natürlich hat die Show auch ihre Kritiker, die den Produzenten eine geheime politische Agenda und Wahlkampfhilfe für die Demokraten vorwerfen. Lorne Michaels, der Chefredakteur von „SNL“, winkt ab. „Wir bereichern den Entscheidungsprozess, aber ich glaube nicht, dass die Leute sagen: ,Oh, ich habe diese Show gesehen und werde nun so oder so abstimmen.‘“

Amerikanische Primetime-Sendungen lieben es, Politiker durch den Kakao zu ziehen, doch dieses Jahr liefern diese mehr Stoff denn je. Der Wahlkampf setze neue Energien frei, sagt Plaudertasche Jon Stewart von „The Daily Show“. Denn die Leute befänden sich in einer „hochemotionalisierten Stimmung“.

Es hilft auch, dass die Kandidatendebatten mehr Zuschauer denn je anlocken. 70 Millionen waren es beim Schlagabtausch zwischen Palin und Joe Biden – ein Rekord für Auftritte von Vizepräsidentschaftskandidaten. Vor allem jüngere Wähler schalten zu. Unter den Zuschauern von „SNL“ nahm die Zahl der 18- bis 34-Jährigen überproportional zu.

Sie gehören auch zu denjenigen, die am meisten Spaß an den Videoclips von Paris Hilton haben. Die Hotelerbin schmiss sich in den „Wahlkampf“, nachdem McCain eine Hilton-Doppelgängerin für seine Kampagne einsetzte. Im ersten Video mokiert sich Hilton über McCain und erklärt, dass sie „like, totally ready to lead“ sei, also Gewehr bei Fuß stehe, die Führung im Land zu übernehmen. Im zweiten Video dieser Woche berät sich das Partygirl am Küchentisch mit dem „besten falschen Präsidenten“, Martin Sheen, der in „The West Wing“ in die Rolle des Obersten Befehlshabers der USA schlüpfte.

Hilton fragt den verdatterten Sheen nach Rat bei der „FoPo“ – der Foreign Policy (Außenpolitik) – und schlägt vor, bei der Wirtschaftskrise MC Hammer zu konsultieren. Der ehemalige Popstar verschleuderte sein Vermögen mit Privatjets und Luxusautos und musste schließlich eine Bankrotterklärung abgeben.

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