USA : Achtlingsmutter: Hoch verschuldet

Nadya Suleman, die Achtlingsmutter, ist nach Morddrohungen untergetaucht – ihr Arzt ist derweil nicht zu stoppen.

Rita Neubauer
Suleman
Nadya Suleman -Foto: AFP

San FranciscoWer dieser Tage am Zeitungskiosk zu „Life & Style“ greift, glaubt doppelt zu sehen. Links auf dem Titelbild des Magazins Achtlingsmutter Nadya Suleman, auf der rechten Seite Angelina Jolie. Die gleiche Frisur, die gleichen aufgeworfenen Lippen, das gleiche Alter. Und die gleiche einsame Kindheit sowie eine Obsession nach einer Grossfamilie, erfährt der Leser.

Die Geschichte um Nadya Suleman (33), einer arbeitslosen, einst depressiven, hochverschuldeten Frau in Kalifornien, die bei ihrer Mutter lebt, schon sechs Kinder unter acht Jahren hat und per künstlicher Befruchtung Achtlinge geboren hat, nimmt immer bizarrere Formen an. So machte der Fernsehsender „NBC“ zum ersten Mal auf die Ähnlichkeit zwischen Suleman und Jolie aufmerksam. Während die Yellow Press an der Angelina-Obsession strickt, beschäftigen sich seriöse Blätter mit dem Arzt, der Suleman die Embryos einpflanzte. Michael Kamrava, Direktor der an der Westküste angesiedelten IVF-Klinik, habe „erneut zugeschlagen“, berichtet die „Los Angeles Times“. Die Zeitung hat eine Frau im Los Angeles County-USC Medical Center aufgespürt, die Vierlinge erwartet. Auch diese Embryos wurden von Kamrava eingepflanzt, der eigentlich gar kein so glückliches Händchen bei der künstlichen Befruchtung hat. Seine Erfolgsrate liege bei zehn Prozent, der Landesdurchschnitt sei 39 Prozent. Kamrava, der Interviews verweigert, steht inzwischen im Mittelpunkt der Kontroverse um die „Octo-Mom“. Nicht nur stellen Kollegen seine Berufsethik in Frage. Experten stellen auch Kamravas unkonventionelle Methode in Frage, eine Kamera und einen Katheder zur künstlichen Befruchtung zu benutzen. Der Arzt iranischer Abstammung bezeichnet sich auf seiner Website stolz als Pionier. Kritiker fordern, ihm die Zulassung zu entziehen. Während in europäischen Ländern Richtlinien für Invitro-Behandlungen gelten – nach dem deutschen Embryonenschutzgesetz dürfen Ärzte einer Frau höchstens drei Embryonen pro Zyklus einsetzen –, entzogen sich US- Ärzte solchen Regulierungen bislang erfolgreich. Nicht nur, weil die meisten Patienten die Behandlung aus der eigenen Tasche finanzieren und so die Krankenkassen wenig zu sagen haben. Auch der Gesetzgeber hält sich mit Vorschriften in diesem Bereich weitgehend zurück. Zwar lautet die Empfehlung, Frauen unter 35 Jahren nicht mehr als ein, maximal zwei Embryos einzupflanzen, aber ob sich Ärzte daran halten, ist eine zweite Frage. Nicht zuletzt ist es ein Milliardengeschäft. Jährlich werden rund 50 000 Babies durch künstliche Befruchtung gezeugt. Im Fall von Suleman fragt die Öffentlichkeit zudem, wer das alles bezahlt. Medi-Cal, die Krankenversicherung für Arme in Kalifornien, übernimmt zwar nicht die Kosten für die künstliche Befruchtung. Aber die Krankenhauskosten, die auf mehrere hunderttausend Dollar geschätzt werden (ein 47-köpfiges Ärzteteam stand bei der Geburt bei) wird sie wohl tragen. Und der Steuerzahler die zukünftigen Kosten für die Betreuung der Kleinen.

Suleman, die bereits monatlich 490 Dollar an Lebensmittelhilfe erhält sowie Sozialhilfe für ihre drei behinderten Kinder, bittet um Spenden auf ihrer Website. Statt Spenden bekommt sie aber vor allem wütende Briefe. Wegen Morddrohungen ist sie untergetaucht. Ihre PR-Agentur, die einträgliche Medienverträge aushandeln sollte, hat, ebenfalls wegen Morddrohungen, diese Aufgabe abgegeben.

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