USA : Ein Hund namens Bo

Inszenierte Bilder: Obamas Töchter Sasha und Malia haben jetzt ihren versprochenen Vierbeiner. Die Obamas haben sich für eine Rasse entschieden, die Edward Kennedy liebt - und lösen so bei vielen Amerikanern große Gefühle aus.

Christoph von Marschall
First Dog Hund Obama
"Bo" soll der neue "First Dog" von Amerika heißen. -Foto: dpa

WashingtonWer hat den Hund von der Leine gelassen? Auf diese Information wartet halb Washington noch. Die Medienstrategie des Weißen Hauses wurde durchkreuzt. Überhaupt hofft Amerika auf eine Reihe von Auskünften zu unbeantworteten Fragen. Die Neugier in der Hauptsache ist aber endlich befriedigt: Die First Family ist nun komplett, und die Nation kann sich ein Bild vom neuesten Mitglied im Weißen Haus machen: ein sechs Monate junger Portugese Waterdog namens Bo. Die "Washington Post" und die Internetseite "FirstDogCharlie" teilen sich die Ehre, über Ostern die ersten Fotos verbreitet zu haben. Die Pressechefs im Weißen Haus hatten die öffentliche Vorstellung des präsidialen Hundes angeblich erst für Dienstag geplant, exklusiv in der "Washington Post", als Ausgleich dafür, dass die "New York Times" bei der Story über Michelle Obamas neuen Gemüsegarten bevorzugt worden war. Doch dann kam "FirstDogCharlie" dazwischen. Bisher ist unklar, wer hinter dieser Webseite steckt.

So ranken sich trotz seines kurzen Hundelebens bereits so viele Geheimnisse um Bo, dass manche Medien wohl noch wochenlang an den Enthüllungen verdienen können. Er ist mit solchen Berühmtheiten wie den Kennedys in Berührung gekommen. Er trägt schon seinen dritten Namen und musste mehrfach den Haushalt wechseln. Seit welchem Tag genau Bo im Weißen Haus lebt, wurde noch nicht preisgegeben. Auch das ist eine wichtige Frage. Vor seiner Europareise hatte Obama versprochen, "der Hund wird da sein", wenn er aus Europa zurückkehre. Doch dann landete der Präsident am Dienstag vor einer Woche, aber tagelang gab es noch immer keine Neuigkeiten von der Hundefront.

Edward Kennedy liebt diese Hunderasse

Heraus kam nun jedoch, dass Bo, ehe er ins Weiße Haus einzog, dort bereits einmal zu Besuch war, damit die Obamas ihn kennenlernen: "vor einigen Wochen", präziser wird auch das nicht eingegrenzt. Die "The Meeting" genannte Operation blieb damals den Medien verborgen. Auch für die Obama-Töchter Malia, 10, und Sasha, 7, sei es eine Überraschung gewesen. Alle Beteiligten seien sich von Beginn an sympathisch gewesen. Der Hund habe gleich erkannt, wer Herr im Hause sei. Er sei dem Präsidenten gefolgt, als der im Raum herumging. Ansonsten habe er sich als gut erzogen erwiesen: Er nahm Platz, wenn die beiden Mädchen sich setzten; er stand auf, wenn sie sich erhoben. Es habe weder "Toiletten"-Missgeschicke bei dem Besuch gegeben, noch habe er Möbel angeknabbert. Aber Bo hat ja auch Benimm-Unterricht in der Hundeschule bekommen, in die Senator Edward Kennedy seine drei Portugese Waterdogs, kurz PWD oder "Porties", schickt.

Dass die Obamas sich für die Rasse entschieden, die Edward Kennedy liebt - mehr noch: dass seine Frau Victoria die Verbindung zu den Züchtern herstellte - löst bei vielen Amerikanern große Gefühle aus. Er ist der einzige überlebende Bruder von John F. und Bobby Kennedy, die in den 60er Jahren erschossen wurden. Edward hat nun Gehirntumor. Er hat Obama 2008 zum politischen Erben der Kennedys ausgerufen. Manchen Amerikanern dient der Hund als Sinnbild, dass ein Stück Kennedy im Weißen Haus fortlebt.

Bo wurde verstoßen

Überhaupt ist es erstaunlich, wie viele emotionale Geschichten sich mit diesem nur sechs Monaten alten Hundchen verbinden lassen. Sie wirken fast wie eine Antwort auf viele der Forderungen, die über die Obamas hereinbrachen, nachdem Barack in seiner Siegesrede in der Wahlnacht am 4. November im Grant Park von Chicago verkündet hatte, dass seine beiden Töchter zum Dank für ihre geduldige Kooperation im Wahlkampf einen Welpen bekommen. Ein reinrassiger Hund müsse es sein, forderte der Züchterverband. Nicht doch, entgegneten die sozial Engagierten: Die Obamas sollten einen Hund aus dem Tierheim retten. Barack Obama warf schließlich ein ganz anderes Auswahlkriterium in die Debatte: Die ältere Tochter Malia habe Allergien. In Frage komme nur ein hypoallergener Hundetyp. Unter Verweis auf die Vorlieben der beiden Mädchen verengte sich die Suche auf zwei Optionen: einen Labradoodle oder einen "Portie"; beide findet man so gut wie nie in Tierheimen.

Bo stammt aus einem Wurf von neun PWD's in Texas, das immerhin hat die "Washington Post" exklusiv. Die Züchterin Martha Stern war Obama-Fan im Wahlkampf und benannte den Welpen, der nun Bo heißt, "Amigo 's New Hope". Er landete zunächst in Washington bei einer Frau, die ihn Charlie taufte. Bald gab sie ihn zurück, weil der kleine "Portie" sich nicht mit der älteren Hündin vertrug, die sie besaß. Das erfuhren die Kennedys, die selbst einen Welpen aus dem Wurf haben, und vermittelten den verstoßenen Hund an die Obamas weiter. Martha Stern verfolgt Kennedys Kampf mit dem Gehirntumor mit besonderer Empathie, weil sie Lungenkrebs hat und eine Chemotherapie durchmacht.

Einen Rat hat Martha Stern noch, da es doch bereits einen Konflikt um Gemüsegarten und Hund zwischen zwei Zeitungen gab. Die Obamas sollen Bo nicht unbewacht in den Garten lassen. Porties lieben nämlich junge Tomaten.

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