Welt : USA fordern Sky Marshalls

Ausländische Fluggesellschaften müssen im Kampf gegen Terror bei bestimmten Amerikaflügen bewaffnete Flugbegleiter einsetzen

Rainer W. During

Aus Furcht vor neuen Terroranschlägen hat das US-Heimatschutzministerium den bisher freiwilligen Einsatz bewaffneter Sicherheitskräfte an Bord ausländischer Flugzeuge gestern zur Pflicht gemacht. Die Anordnung gilt ab sofort auf bestimmten Flügen in die USA. Die so genannten Sky Marshalls sollen auch weiterhin von den Herkunftsländern gestellt werden. Beim Bundesinnenministerium verwies man darauf, dass in Deutschland bereits unmittelbar nach den Attentaten mit gekaperten Verkehrsflugzeugen auf das World Trade Center und das Pentagon im Oktober 2001 mit der Aufstellung einer Spezialeinheit des Bundesgrenzschutzes begonnen wurde. Über Umfang und Fortbildung der Truppe könne man aus Sicherheitsgründen keine Angaben machen.

Die Anordnung, die auch deutsche Flugzeuge betrifft, gilt mit sofortiger Wirkung. Bisher wurden die Sicherheitsbeamten in nationaler Entscheidung auf als gefährdet eingestuften Flügen eingesetzt. Dabei, so verlautete aus Sicherheitskreisen, gab es aber ohnehin schon immer eine enge Abstimmung mit US-Behörden. Bei der Lufthansa hieß es, dass auf bestimmten, ungenannten Flügen „in Abstimmung mit dem Bundesinnenministerium" bereits seit gut zwei Jahren bewaffnete Flugbegleiter eingesetzt werden.

An Bord deutscher Flugzeuge funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Besatzungen und bewaffneten Flugbegleitern „hervorragend", sagte der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, Markus Kirschneck, dem Tagesspiegel. Der Einsatz habe „definitiv die Sicherheit erhöht". Eine Gefährdung der Maschine bei einem notwendigen Waffengebrauch an Bord sieht man nicht mehr. Es komme Spezialmunition zum Einsatz, von der die Kabinenwand nicht mehr durchschlagen werden kann.

Die finale Entscheidungsgewalt an Bord bleibe beim Flugkapitän, dem nur der Leiter des jeweiligen BGS-Teams bekannt ist, so Kirschneck. Die Sky Marshalls würden jedoch im Ernstfall von sich aus eingreifen. Wichtig sei, dass bei der bisher „offenbar extrem gründlichen" Auswahl der Sicherheitskräfte auch weiterhin „Qualität vor Quantität" gehe.

Auch eine Air France-Sprecherin bestätigte den Einsatz von Sky Marshalls auf Flügen des Unternehmens unter anderem in die USA und den Nahen Osten. Die französische Fluglinie hatte Heiligabend und am 1. Feiertag insgesamt sechs Los Angeles-Flüge auf Druck amerikanischer Behörden gestrichen, die einen erneuten Terroranschlag mit einem Verkehrsflugzeug befürchteten.

In Großbritannien, wo dem Vernehmen nach bereits seit Dezember 2002 Sky Marshalls ausgebildet, aber nicht eingesetzt werden, erwägt man nach Angaben von Innenminister David Blunkett jetzt ebenfalls deren Aktivierung. Im Gegensatz zu ihren deutschen Kollegen haben die britischen Piloten Bedenken angemeldet. Ihre Gewerkschaft Balpa lehnt bewaffnete Flugbegleiter grundsätzlich ab und fordert, sollte die Regierung auf den Einsatz bestehen, klare Vereinbarungen zwischen der Regierung und den Luftverkehrsgesellschaften.

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