USA : Freiheit dank Nierenspende

Unter der Auflage einer Nierenspende der Jüngeren an die Ältere sind in den USA zwei zu lebenslanger Haft verurteilte Schwestern freigelassen worden.

Jamie und Gladys Scott verließen am Freitag ein Gefängnis in Pearl im Bundesstaat Mississippi. Sie waren 1993 wegen Beteiligung an einem bewaffneten Raubüberfall zu lebenslanger Haft verurteilt worden - und wurden zu einem Symbol für unangemessen harte Strafen gegen schwarze US-Bürger.

"Wir sind frei“, riefen die Schwestern in die Fernsehkameras vor der Haftanstalt. Der Gouverneur von Mississippi, Haley Barbour, hatte ihre Strafen Ende Dezember ausgesetzt, da die Inhaftierung der Frauen für die öffentliche Sicherheit nicht mehr nötig sei und die an Organversagen erkrankte Jamie, die auf eine Dialyse angewiesen ist, im Gefängnis hohe Kosten verursache. Barbour machte zur Auflage, dass Gladys Scott sich zu einer Nierenspende an ihre ältere Schwester verpflichtet. Ob das Spenderorgan von Jamies Körper angenommen würde, müssen Mediziner allerdings erst noch klären.

Die beiden Schwestern mussten ins Gefängnis, weil sie zwei Männer in einen Hinterhalt gelockt hatten. Dort warteten drei Teenager, die von ihren Opfern insgesamt elf Dollar erbeuteten. Jamie Scott war zum Tatzeitpunkt 21, Gladys 19 Jahre alt. Vorbestraft war keine der beiden. Trotzdem wurden sie zu lebenslanger Haft verurteilt, während die drei Teenager nach zwei Jahren wieder aus dem Gefängnis freikamen. Die Schwestern hatten stets von einem Justizirrtum gesprochen und wurden zu einem Symbol für die Schwere der Strafen, die in den USA gegen Afroamerikaner verhängt werden.

"Ich hätte niemals gedacht, dass der Tag kommen würde, an dem ich außerhalb der Mauern sein würde“, sagte Jamie Scott unter Tränen bei einer Pressekonferenz. „Ich bin allen so dankbar, die daran mitgewirkt haben.“ Auch Gouverneur Barbour sprach sie ihren Dank aus. US-Medienberichten zufolge wollen die Scott-Schwestern nun nach Florida zu ihrer Familie ziehen.

An der Auflage, im Gegenzug für die Freilassung einer Nierenspende zuzustimmen, entzündete sich aber auch Kritik. Der afroamerikanische Autor Earl Ofari Hutchinson warf dem Republikaner Barbour vor, die Entscheidung mit Blick auf eine mögliche Kandidatur bei den Präsidentschaftswahlen 2012 getroffen zu haben.

Andere Kritiker bemängelten, dass Barbour die Freilassung mit den durch die Nierenbehandlung verursachten Kosten begründete. (AFP)

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