Welt : USA schießen eigenen Satelliten ab

Roland Knauer

Es klingt nach einem Science-FictionFilm. Eine Raketenstellung auf einem Kriegsschiff im Nordpazifik richtet sich gen Himmel. Eine SM-3 steigt in der Dunkelheit der Nacht auf, in ihrer „Nase“ Hitzesensoren zum Aufspüren des Ziels. Im Fadenkreuz: ein mit giftigem Raketentreibstoff gefüllter Spionagesatellit, der außer Kontrolle geraten ist und die Erde bedroht. Gelingt es nicht, ihn zu zerstören, könnten Menschen sterben.

Irgendwann in der Nacht zum heutigen Donnerstag sollte dieses Szenario nach US-Angaben Wirklichkeit werden. Dann sollte die Marine einen Satelliten abschießen, der 2006 zu einer geheimen Mission ins All geschickt worden war. Kritiker, Laien, aber auch Experten argwöhnen: Der Satellit enthält supermoderne Spionagetechnologien, und die US-Regierung will verhindern, dass sie einem potenziellen Gegner in die Hände fällt. Andere sehen das sinistre Ziel eines Probelaufs für einen etwaigen „Krieg der Sterne“. So vermutet es auch Russland, das den USA offen unterstellt, der geplante Abschuss sei ein verkappter Anti-Satelliten-Waffentest und damit der Einstieg in einen Rüstungswettlauf im All.

All diese Theorien ergeben wenig Sinn. Der Satellit war bereits kurz nach den Start manövrierunfähig, erklärt Thomas Kuch, der Leiter des Missionsbetriebs am Raumfahrtkontrollzentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen. Das rund zwei Tonnen schwere Teil würde um den 10. März irgendwo auf die Erdoberfläche stürzen. Beim Eintritt in die Atmosphäre würde der Satellit zum größten Teil verglühen, seine Technologie zerstört. Feinde hätten von den winzigen Trümmern, die es vielleicht zur Erde schafften, nichts.

Der Spionagesatellit der USA aber hat in einem kühlschrankgroßen Tank noch 500 Kilogramm des Raketentreibstoffs Hydrazin an Bord, berichtet DLR-Experte Thomas Kuch. Hydrazin ist extrem giftig und krebserregend. Zerbricht dieser Tank beim Absturz in einiger Höhe über einer Großstadt, wären die Menschen dort mit dem Leben bedroht.

Die Rakete soll den Satelliten so zerstören, dass die Teile weit im All zerstreut werden. mit dpa

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