USA-Tourismus : Reisepläne in Gefahr

Hamburg (29.08.2005, 13:19 Uhr) - Der Hurrikan «Katrina» wirbelt auch die Pläne vieler USA-Touristen durcheinander. Bis zum Montag, als der gewaltige Sturm auf die Stadt New Orleans am Mississippi-Delta zuraste, wurden bereits Urlauber umquartiert und Kreuzfahrtschiffe umgeleitet. Doch auch in den kommenden Monaten, wenn nach dem schwül-heißen Sommer im Staat Louisiana wieder die Hochsaison beginnt, dürfte «Katrina» Auswirkungen auf Reisepläne haben. Die deutschen Reiseveranstalter warten mit Änderungen ihrer Programme für Spätsommer und Herbst aber noch so lange ab, bis das Ausmaß der Hurrikan-Schäden klar ist.

Am Wochenende hatten hunderttausende Menschen New Orleans und die Küste Louisianas verlassen, darunter auch viele Touristen. Nach Angaben des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verbandes (DRV) in Berlin befanden sich 126 Gäste mehrerer deutscher Anbieter in New Orleans. Es seien ausschließlich Gäste, die individuelle Touren gebucht hatten. Busreisegruppen seien nicht betroffen. Laut DRV wurden die Reisen zum Teil abgebrochen oder die Routen neu geplant.

Im Golf von Mexiko änderten Kreuzfahrtschiffe ihre Routen. So legte unter anderem die «Carnival Conquest» der US-Reederei Carnival Cruise Lines nicht wie vorgesehen in New Orleans an, sondern wurde nach Galveston in Texas umgeleitet. Deutsche Passagiere waren nicht an Bord. Auch Schiffe auf dem Weg nach Miami wechselten den Kurs. An Bord der «Majesty of the Seas» von Royal Caribbean befanden sich auch Deutsche. Nach Angaben einer Reedereisprecherin in Mainz wurden sie entschädigt, weil das Schiff den Zielhafen erst verspätet anlief.

Reiseveranstalter müssen ihre Gäste in einer Situation wie derzeit bei «Katrina» rechtzeitig informieren. Sie haben gegenüber ihren Kunden eine Informations- und Sorgfaltspflicht, erläutert die Reiserechtsexpertin Carmen Gahmig von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz. Ein Hurrikan sei reiserechtlich als Höhere Gewalt zu werten. Wird eine Region so verwüstet, dass Reisen dorthin ausfallen müssen, so könne der Veranstalter Ersatzreisen anbieten.

Wer erst für die kommenden Monate eine Reise an die US-Golfküste gebucht hat, sollte sich mit seinem Veranstalter oder Reisebüro in Verbindung setzen. Je nach Stärke der Beeinträchtigungen werden möglicherweise die ganze Reise oder Teile davon abgesagt. Werden beispielsweise die Stationen einer Rundreise geändert, müssen Touristen dies der Expertin zufolge möglicherweise akzeptieren.

Derzeit sei es aber noch zu früh, über Umroutungen für Spätsommer und Herbst nachzudenken, hieß es am Montag bei den Veranstaltern Dertour in Frankfurt, Canusa in Hamburg und TUI in Hannover. «Man muss erst sehen, wie schnell sich die Schäden beheben lassen», sagte Canusa-Geschäftsführer Tilo Krause-Dünow. Wer dagegen bereits in der nächsten Woche losfährt, «kann von uns umgeroutet werden, etwa nach Georgia oder die Carolina-Bundesstaaten».

Trotz seiner Bedeutung für die Herbst- und Wintersaison ist New Orleans für die deutschen Veranstalter keines der wichtigsten Ziele in den USA. Nonstopflüge von Deutschland nach New Orleans gibt es nicht. Im Jahr 2003 besuchten rund 32 000 Deutsche Louisiana, schätzt Karen Gilsdorf vom Fremdenverkehrsamt des Staates in Frankfurt/Main. (tso)

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