USA und Großbritannien : Horror-Clowns verbreiten Furcht und Hysterie

Unbekannte in Clownskostümen versetzen die USA seit Wochen in Angst und Schrecken. Sie jagen Passanten oder sprechen Kinder an. Auch die britische Polizei meldet schon Fälle.

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Hysterie in den USA: Unbekannte in Clownskostümen sorgen für Furcht.
Hysterie in den USA: Unbekannte in Clownskostümen sorgen für Furcht.Foto: AFP/Jim Watson

Angefangen hat es Ende August im Bundesstaat South Carolina. Kinder berichteten, Clowns in bunten Kostümen hätten versucht, sie in einen Wald zu locken. Seitdem tauchen sie plötzlich überall auf: Unbekannte in Clownskostümen, manche mit Masken wie aus einem Horrorfilm und mit Knüppeln oder Macheten in der Hand, wurden in mehreren Landesteilen gesehen. Mehrere Schulen haben anonyme Drohungen erhalten, die mit „Clown“ unterschrieben waren. Nach Lachen ist niemandem zumute.

Warum die unheimlichen Clowns ausgerechnet jetzt auftauchen, ist unklar. Manche verweisen auf das nahe Halloween-Fest Ende des Monats, doch das erklärt die Ereignisse Ende August wohl kaum. Insgesamt gibt es bisher rund ein Dutzend Festnahmen und Vorfälle in etwa 20 US-Bundesstaaten sowie in Kanada.

Nicht nur harmlose Fälle

In manchen Fällen ist die Clown-Panik wohl nur das Ergebnis von Teenager-Streichen, die im Zeitalter von Online-Medien, Schulmassakern und Terroranschlägen entgleisen. In Kalifornien wurde ein 14-jähriger festgenommen, der über Instagram unter dem Titel „Killer Clowns“ Drohungen gegen eine Schule veröffentlichte. Die Polizei erklärte, der Teenager habe wohl nur die Leute erschrecken und sich in Internetmedien interessant machen wollen.

Nicht alle Vorfälle erweisen sich als harmlos. In der Nähe von San Francisco berichtete eine Frau der Polizei, ein Clown habe sich ihr und ihrer einjährigen Tochter genähert. „Zuerst dachte ich, er wolle ihr die Hand küssen“, sagte Tiffany Martin laut Medienberichten. Doch dann zerrte der Unbekannte am Arm des kleinen Mädchens, als wolle er sie packen und mitnehmen. Martin trat auf ihn ein, bis er losließ.

In Wisconsin wurde ein 20-jähriger, der spätabends in einem Clown-Kostüm gesehen wurde, von der Polizei festgenommen – er trug eine Waffe bei sich. In Massachusetts evakuierte die Leitung einer Universität ein ganzes Wohnheim, nachdem in sozialen Netzwerken von einem bewaffneten Clown auf dem Gelände die Rede war. In anderen Fällen wurden Clowns mit langen Messern gesichtet. Verletzt wurde bisher niemand, doch die Polizei in Connecticut kündigte das sofortige Einschreiten der Beamten gegen Verdächtige in Clown-Kostümen an, die andere Bürger bedrohen oder erschrecken.

So groß ist die Clown-Panik inzwischen, dass professionelle Spaßmacher von Repressalien berichten, weil sie für Unruhestifter gehalten werden. Clown Justin Brodie berichtete im Fernsehsender CBS, er werde bei Auftritten neuerdings beschimpft. Außerdem hätten Unbekannte sein Auto mit Müll überschüttet.

Selbst das Weiße Haus in Washington kann dem Phänomen nicht entgehen. Bei einer Pressekonferenz wurde Josh Earnest, der Sprecher von Präsident Barack Obama, nach den Vorfällen gefragt. Die Polizeibehörden vor Ort nähmen die Sache sehr ernst, sagte er. Auch Horror-Altmeister Stephen King meldete sich zu Wort: Die meisten Clowns seien doch lustig, schrieb er auf Twitter. „Es ist an der Zeit, die Clown-Hysterie runterzufahren.“

Experten sind sich sicher, dass die Allgegenwart sozialer Medien bei der Clown-Welle eine Rolle spielt. Die Psychiatrie-Professorin Gail Saltz sagte CBS, Ängste könnten sich mit Hilfe der sozialen Medien in Windeseile auf der ganzen Welt verbreiten. Tatsächlich gibt es inzwischen Clown-Sichtungen in Australien und in Großbritannien. Mehrere Twitter-Konten versprechen ihren Nutzern die „furchteinflößendsten“ Clown-Episoden.

Zumindest zum Teil stecken wirtschaftliche Interessen hinter der Clown-Mania. Wie der Nachrichtensender CNN meldete, erwies sich ein Video-Clip eines Horror-Clowns, das im Internet 1,5 Millionen Mal angeklickt wurde, als Reklamespot für ein Halloween-Fest in Massachusetts.

Manche vergleichen die Clownereien mit der Aufregung über das Online-Monster Slenderman, das Millionen von Internetnutzern in seinen Bann geschlagen hat. Auch Slenderman ist mehr als nur Unterhaltung: Vor zwei Jahren stachen zwei damals zwölfjährige Mädchen in Wisconsin auf eine Klassenkameradin ein, um sie zu töten – sie wollten Slenderman gefallen. Das Opfer überlebte schwer verletzt. Den Mädchen drohen Haftstrafen von jeweils bis zu 45 Jahren.

Clowns auch in Großbritannien

Auch in Großbritannien haben Unbekannte in Clownkostümen zahlreiche Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Die Polizei in der Region Thames Valley westlich von London berichtete von 14 gemeldeten Vorfällen am Wochenende, bei denen Menschen von Maskierten erschreckt oder eingeschüchtert worden seien. Täter müssten mit Festnahmen und einem Eintrag im Vorstrafenregister rechnen, warnte Hauptkommissar Andy Boyd in einer Stellungnahme.

Ein mit einem Messer bewaffneter Mann im Clownkostüm war am Freitag einer Gruppe von vier Kindern in Chester-Le-Street im englischen Nordosten auf dem Schulweg gefolgt, wie die Polizei in Durham mitteilte. „Wir glauben, das ist Teil einer viel größeren Posse, die sich gerade in den USA und in Teilen des Vereinigten Königreichs ausbreitet“, sagte Polizeiwachtmeister Mel Sutherland in einer Stellungnahme.

Die Polizei untersuche in dem Zusammenhang auch verschiedene Profile in sozialen Netzwerken. Weitere Vorfälle wurden in der südöstlichen Grafschaft Essex gemeldet, wo Clowns Kinder vor Schulen ansprachen. (mit dpa)

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