Venedig : Wenn die Gondeln Frauen tragen

In der Lagunenstadt Venedig ist eines der letzten Tabus gefallen: Die 24-jährige Giorgia Boscolo hat ihre letzte Prüfung bestanden und darf nun – nach neun Jahrhunderten männlicher Vorherrschaft – als erste Gondelfahrerin durch die Lagune schippern.

Giorgia Boscolo feiert eine Premier in Venedig.
Giorgia Boscolo feiert eine Premier in Venedig.Foto: dpa

Venedig - Für eine eigene Gondel fehlt der frischgebackenen Gondoliera und Mutter zweier Kinder zwar noch die Lizenz. Doch darf sie ab sofort für jeden Gondoliere auch allein einspringen, wie italienische Medien am Samstag berichteten. .

Vor einem Jahr hatte Boscolo als erste Frau die schwierige „Fahrprüfung“ des Verbandes der venezianischen Gondolieri bewältigt und dabei unter anderem die Deutsch-Amerikanerin Alexandra Hai aus dem Rennen geschlagen. Danach hatte sie ein Jahr lang als Kopilot ihrer männlichen Kollegen eine Art praktisches Jahr ablegen müssen.

„Ich bin glücklich für Giorgia und auch für mich selbst“, kommentierte Aldo Rosso, bis vor kurzem Präsident des Gondel-Verbandes, den Erfolg der 24-Jährigen. „Denn diese außerordentliche Tatsache einer ersten offiziellen Gondoliera hat unter meiner Ägide begonnen“.

Die Gondolieri in ihren traditionellen Matrosenhemden verdienen in der Hochsaison pro Monat bis zu 5000 Euro. Über 400 Gondolieri befahren mit ihren nachtschwarzen Barken die venezianischen Kanäle – 50 Minuten Gondelfahren kostet über 70 Euro. Der Betrieb der Gondeln ist reglementiert. Lizenzen sind begehrt. Man kann sie nur erlangen, wenn ein Gondoliere in den Ruhestand geht oder seine Lizenz abgibt. Früher einmal wurden sie ausschließlich vererbt. dpa/Tsp

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