Welt : Verbrechen an Kindern: Es geschah am hellichten Tag

Goslar/Saarbrücken (dpa/AP).

Goslar/Saarbrücken (dpa/AP). Der Tod des vierjährigen Maurice aus Harlingerode bei Goslar in Niedersachsen gibt der Polizei Rätsel auf. "Wir können eine eindeutige Todesursache noch immer nicht nennen", sagte ein Polizeisprecher am Montag nach einer fast sechsstündigen Obduktion in Goslar. Den Gerichtsmedizinern lägen keine detaillierten Erkenntnisse vor. Helfer der Feuerwehr hatten das tote Kind am Sonntagabend in einem Gebüsch an der Landstraße zwischen Göttingerode und Harlingerode gefunden. Der Junge wurde seit dem Nachmittag vermisst. Aufschluss über die Todesursache erhoffen sich die Ermittler nun von weiteren Untersuchungen in dem kommenden Tagen. "Die Spurensicherung am Fundort ist abgeschlossen, jetzt müssen wir die medizinischen Untersuchungen an Gewebeproben abwarten", sagte Polizeisprecher Gerd Ziegler.

Am Sonntag hatte sich die Mutter gegen 16.30 Uhr vor ihrem Wohnhaus in Harlingerode von Maurice getrennt und ihn seitdem nicht mehr gesehen. Er wollte einen anderen Weg in die Wohnung nehmen, kam dort aber nicht an. Nach Erkenntnissen der Polizei suchte die Mutter ihren Sohn zunächst in der Umgebung sowie bei Nachbarn und Freunden. Eine gegen 19 Uhr eingeleitete Suche von Polizei und Feuerwehr, unter anderem mit einem Hubschrauber mit Wärmebildkamera, blieb ebenfalls zunächst ergebnislos. Gegen 21 Uhr wurde der leblose Körper des Vierjährigen in dem Gebüsch an einem Parkplatz außerhalb von Harlingerode entdeckt.

Auch Pascals Tod nicht geklärt

Auch die Verhaftung einer Stiefschwester des seit mehr als zwei Wochen in Saarbrücken vermissten Pascal hat der Polizei noch nicht den erwünschten Fahndungserfolg gebracht. Die 18-Jährige, die von ihrer ein Jahr jüngeren Schwester beschuldigt worden war, den fünfjährigen Jungen schwer verletzt zu haben, schwieg auch 48 Stunden nach ihrer Festnahme beharrlich, wie ein Sprecher des saarländischen Landeskriminalamtes am Montag mitteilte. Von Pascal fehlt nach wie vor jede Spur. Die ältere der beiden Stiefschwestern Pascals war am Samstag unter dem Tatverdacht der Tötung des Kindes überraschend verhaftet worden. Pascal hatte am 30. September, einem Sonntag, mit seinem Rad die elterliche Wohnung im Stadtteil Burbach am Nachmittag verlassen. Zunächst hieß es, er habe allein zu einer nahe gelegenen Kirmes fahren wollen. Hunderte von Polizisten durchkämmten vergeblich Wälder, Taucher suchten in der Saar und einem Weiher. Die Familie setzte eine Belohnung von 20 000 Mark aus für Hinweise, die zum Auffinden des Kindes führen. Der Vater Pascals brach bei einer Pressekonferenz der Polizei in Tränen aus und bat die Bevölkerung um Mithilfe bei der Suche.

Der mutmaßliche Mörder der acht Jahre alten Julia aus Biebertal bei Gießen ist ins Gefängniskrankenhaus Kassel verlegt worden. Der 33-jährige Nachbar des Mädchens ist schwer verletzt. Zwei Beamte hatten den Krankenwagen auf seinem Weg von der Kölner Spezialklinik für Verbrennungsopfer nach Kassel begleitet, sagte ein Sprecher am Montag.

Der Verdächtige, für dessen Schuld viele Indizien sprechen, sei in einer Einzelzelle untergebracht. Julia war am 29. Juni dieses Jahres verschwunden und vier Tage später tot unter einem brennenden Holzstapel gefunden worden. Das Motiv für die Tat liegt noch im Dunkeln. Die Polizei konnte den verdächtigen Verwaltungsangestellten und Familienvater bislang nicht vernehmen, weil er sich bei einer Benzinverpuffung im Keller seines Hauses schwerste Verbrennungen zugezogen hatte. Es sei unklar, ob er Beweise vernichten oder sich umbringen wollte, hieß es. Ein Termin für die erste Vernehmung steht noch nicht fest.

Regierung will Hilfe ausbauen

Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin will die Hilfe für Kriminalitätsopfer weiter ausbauen. Bei Schadenswiedergutmachungen sollten künftig die Ansprüche der Geschädigten Vorrang vor denen des Staates haben, sagte sie am Montag bei einer Festveranstaltung zum 25-jährigen Bestehen der Opferschutzorganisation Weißer Ring in der Berliner Landesvertretung von Baden-Württemberg.

Die Arbeit der Opferhilfeeinrichtungen will die Justizministerin auf eine breitere finanzielle Basis stellen. Zehn Prozent der Geldstrafen sollen künftig diesen Vereinen zur Verfügung gestellt werden. Dies stoße aber vor allem bei den Bundesländern noch auf Bedenken. Für Kriminalitätsopfer im Ausland, bei denen das Opferentschädigungsgesetz nicht greift, müsse zumindest auf EU-Ebene eine Mindestregelung erreicht werden, sagte Däubler-Gmelin.

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