Welt : Verdacht auf Ziegenwahn – Wissenschaftler sind besorgt

Dagmar Dehmer

Berlin - Es ist keine große Überraschung, dass in Frankreich nun bei einer Ziege der Verdacht besteht, sie könnte am Rinderwahn gelitten haben. Dass auch Ziegen an der Bovinen Spongiformen Enzephalopathie (BSE) erkranken können, wenn sie infiziertes Futter fressen, hatten BSE-Forscher schon vor Jahren herausgefunden. Nur bisher ist BSE noch nie bei einer Ziege außerhalb der Forschungslabors gefunden worden. Ob der Verdacht sich bestätigt, wird frühestens in der kommenden Woche klar werden, wenn die Untersuchungsergebnisse eines britischen Labors vorliegen.

Alexander Müller, Staatssekretär im Verbraucherministerium gab erst einmal Entwarnung: „Eine Gefährdung der Verbraucher ergibt sich aus diesem konkreten Fall nicht, da das Tier – wie die gesamte Herde – nicht in die Futter- und Nahrungsmittelkette gelangt ist.“ Mit anderen Worten: Das betroffene Tier und seine Herde sind vorsorglich getötet und die Kadaver vernichtet worden.

Dennoch sind nicht nur die Wissenschaftler besorgt. Denn schon auf dem Höhepunkt der BSE-Krise 2001 hatten sie davor gewarnt, dass die beiden übertragbaren Hirnschwammerkrankungen „Scrapie“, die vor allem bei Schafen und Ziegen gefunden wurde, und die für den Menschen harmlos ist, und BSE, das im Verdacht steht beim Menschen die neuartige Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auslösen zu können, leicht verwechselt werden könnten. Auch deshalb hatte sich Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) massiv dafür eingesetzt, nicht nur BSE-Schnelltests bei geschlachteten Kühen einzuführen, sondern auch Schafe und Ziegen besser zu überwachen.

Seit April 2002 gibt es in der EU ein entsprechendes Überwachungsprogramm. Allein in Deutschland sind nach Angaben des Ministeriums von Juni 2002 bis September 2004 insgesamt 10 411 Ziegen auf BSE getestet worden. Kein Fall war positiv. In Deutschland wurden im Jahr 2003 zwischen 125 000 und 160 000 Ziegen gehalten.

Die Berliner Europaabgeordnete Dagmar Roth-Behrendt (SPD) sagte: „Dieser Verdacht zeigt, dass die Gefahr für die öffentliche Gesundheit durch Krankheiten wie BSE noch nicht gebannt ist.“ Erst in dieser Woche hat das Europäische Parlament auf Initiative Roth-Behrendts einen Plan von Verbraucherkommissar David Byrne verhindert, Fischmehl wieder als Futtermittel für Wiederkäufer zu genehmigen. Das Problem dabei: Fischmehl ist von Tiermehl kaum zu unterscheiden. Und Tiermehl steht im Verdacht, den Rinderwahn überhaupt erst ausgelöst zu haben.

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