• Verdacht der Beihilfe zu sexuellem Missbrauch: Ermittlungsverfahren gegen Erzbischof Zollitsch

Verdacht der Beihilfe zu sexuellem Missbrauch : Ermittlungsverfahren gegen Erzbischof Zollitsch

Gegen den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, wird wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch von Kindern ermittelt. Ein Opfer hat ihn angezeigt, weil er nichts gegen einen verdächtigen Pater unternommen habe.

Stefan Hilser
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch.Archivfoto: dpa

Der Aufklärer sieht sich nun selbst wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch unter Verdacht. Die Staatsanwaltschaft Freiburg hat ein Ermittlungsverfahren gegen Robert Zollitsch, den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, eingeleitet. Sie geht damit Vorwürfen eines Missbrauchsopfers aus der Bodenseeregion nach. Der heute 53-jährige Mann wirft Zollitsch vor, als damaliger Personalreferent vor rund 20 Jahren „grob fahrlässig in Kauf genommen haben , dass ein als pädokriminell bekannter Priester mit Kindern in Kontakt kommt“. Bei dem Priester handelt es sich um Pater G., der 1987 bis 1992 in der Klosterkirche Birnau am Bodensee eingesetzt war, die zur Zisterzienserabtei Mehrerau (bei Bregenz) gehört.

Ob dieser Geistliche auch Anfang der neunziger Jahre Sexualstraftaten im Umfeld Birnaus beging, ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft Konstanz. Aus diesem Grund hat die Freiburger Staatsanwaltschaft die Konstanzer Behörde gebeten, auch das Ermittlungsverfahren gegen Zollitsch zu übernehmen. Nach Überzeugung des 53-jährigen Anzeigeerstatters waren frühere sexuelle Übergriffe in den Personalakten des Priesters, Pater G., vermerkt und hätten dem Personalreferenten der Erzdiözese, Robert Zollitsch, bekannt sein müssen.

Der Pressesprecher des Erzbistums Freiburg, Robert G. Eberle, weist die Vorwürfe als „substanzlos“ zurück. „Ein Blick auf die schon seit Monaten bekannten und veröffentlichten Fakten macht deutlich, dass die Erzdiözese Freiburg Ende 2006 – unverzüglich nach dem Bekanntwerden eines Falls von sexuellem Missbrauch aus den 60er Jahren bei der Wallfahrts- und Klosterkirche Birnau – den dort zuständigen Zisterzienserorden informiert hat. Der nun verbreitete Verdacht eines strafbaren Verhaltens entbehrt bereits mangels Zuständigkeit, aber auch in der Sache jeder Grundlage“, schreibt Eberle in einer Stellungnahme. „Für den erneuten Einsatz des Paters auch an anderen Orten kann das Ordinariat Freiburg nicht verantwortlich gemacht werden.“

Der 53-jährige Anzeigeerstatter teilte dem „Südkurier“ mit, dass er seinen Verdacht, dass der Pater auch anderen Orts sexuelle Übergriffe begangen haben könnte, auch auf eine Mitteilung des Schweizer Bistums Basel stütze, in dem Pater G. bis 1987 als Priester tätig war, was dort mittlerweile als „unvertretbare Fehleinschätzung“ betrachtet werde. In dieser Mitteilung, die der Redaktion vorliegt, gibt das Bistum Basel in Bezug auf Pater G. zu, dass „die Umstände seiner Anstellung – trotz einschlägiger Vorgeschichte – aus heutiger Sicht als unvertretbare Fehleinschätzung bezeichnet werden“ müssten. Wörtlich teilte der Basler Bistumssprecher mit: „Als Pater G. in den Dienst übernommen wurde, wussten die Verantwortlichen des Bistums Basel, dass er die vorherigen Einsatzorte wegen unerlaubter sexueller Handlungen hatte verlassen müssen.“ Deshalb unterstellt der Anzeigenerstatter vom Bodensee, dass auch die Erzdiözese Freiburg von der Vorgeschichte des Paters gewusst habe, als er 1987 vom Bistum Basel in die Birnau versetzt wurde. Er vertritt weiterhin die Auffassung, dass es „unglaubwürdig oder zumindest grob pflichtwidrig“ sei, „wenn bei Umsetzungen keine Informationen zwischen den Diözesen zur pädokriminellen Vorgeschichte ausgetauscht werden“.

Der Anzeigenerstatter ist ein 53-jähriger Mann vom Bodensee, der Ende der 60-er Jahre als Ministrant in der Birnau eingesetzt war und selbst Opfer sexueller Übergriffe durch diesen Priester geworden ist. Das war in der Zeit zwischen 1966 bis 1968. Ihm gegenüber gab der Priester die Taten schriftlich zu, allerdings sind diese weit zurückliegenden Fälle heute strafrechtlich verjährt. Erst nach Jahrzehnten, im Rahmen einer klinischen Therapie, war sich das heute 53-Jährige Opfer der Taten bewusst geworden. Er informierte daraufhin die Erzdiözese Freiburg im November 2006. Damals war der Pater nicht hier beschäftigt, sondern in einer Schweizer Gemeinde im Bistum Chur, wo er unbehelligt weiter arbeitete – bis März dieses Jahres. Damals drohte der 53-Jährige dem Pater damit, die Vorfälle „durch drastische Maßnahmen öffentlich zu machen“. Daraufhin erklärte der Pater seine Demission. Mittlerweile meldeten sich weitere Opfer, die von sexuellen Übergriffen dieses Paters berichteten.

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