Welt : Verdrängte Ängste

Schwere Untaten wie in Djerba oder Mailand lösen bei vielen Menschen Ängste aus, die sie oft jahrzehntelang verdrängt haben. "Dabei braucht oft nur ein Detail der im Fernsehen beobachteten oder gelesenen Katastrophenszenarien etwas mit dem alten Erlebnis zu tun haben", sagt der Psychotherapeut Frank Ebner aus Oberursel. Der Arzt bildet am Wochenende in Lüneburg mit seinem Kollegen Michael Hase zahlreiche Spezialisten in dem so genannten EMDR-Verfahren zur Bewältigung von traumatischen Erlebnissen fort.

Nach dem Terroranschlag von Djerba etwa klagten laut Hase gleich mehrere Retter der Zugkatastrophe von Eschede über Beschwerden. "Das sind Menschen, die seit vier Jahren mit Schlafstörungen, Albträumen oder nur einem ungewissen Gefühl von Bedrückung gelebt haben und erst jetzt Hilfe suchen." Ihnen könne mit dem EMDR-Verfahren so geholfen werden, dass sie nicht mehr von den belastenden Bildern verfolgt würden. Allerdings: "Schwere, langandauernde Traumatisierungen brauchen aber auch eine längere Therapie." Bei der EMDR-Methode (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) verfolgt der Patient zur Anregung des Nervensystems unter anderem Handbewegungen des Therapeuten mit den Augen, damit das Trauma verarbeitet werden kann.

Pirelli-Haus teilweise geöffnet

Nur vier Tage nach dem Flugzeugunglück von Mailand wird das schwer beschädigte Pirelli-Hochhaus heute vermutlich wieder teilweise geöffnet. Die ersten elf Etagen könnten zumindest teilweise wieder benutzt werden, kündigte der Präsident der Regionalbehörde der Lombardei, Roberto Formigoni, am Sonntag an. Das 30 Stockwerke zählende Hochhaus ist Eigentum der Behörde, die dort ihren Sitz hat. Das Flugzeug hatte das Gebäude zwischen der 25. und 26. Etage durchbohrt. Dabei kamen neben dem Piloten, dem 67-jährigen Luigi Fasulo, zwei Beamtinnen ums Leben. Die Unglücksursache ist nach wie vor ungeklärt. Spekulationen über einen Selbstmord des schwer verschuldeten Unglückspiloten konnten von den Ermittlern bisher nicht bestätigt werden.

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