Welt : „Verfechter der Armen“ und „Hand Gottes“

Das Ergebnis der Papstwahl war eine Überraschung – trotzdem kamen die ersten Reaktionen sehr schnell. Die katholischen Bischöfe in Deutschland sehen in der Wahl von Jorge Mario Bergoglio ein Zeichen der Kontinuität. „Mit Papst Franziskus I. ist der Kirche ein Oberhaupt geschenkt, das die spirituellen Impulse von Papst Benedikt XVI. und von Papst Johannes Paul II. aufnehmen wird“, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Bekannt sei er für die Besuche in Krankenhäusern und Gefängnissen an hohen kirchlichen Feiertagen. Engagiert sei Bergoglio zudem die Aussöhnung zwischen allen gesellschaftlichen Gruppierungen Argentiniens nach den Verbrechen der Diktatur angegangen.

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wünschte Papst Franziskus I. „Gottes Segen für sein Amt“. Der EKD-Vorsitzende Nikolaus Schneider erklärte, als erster Papst aus Lateinamerika bringe Franziskus I. besondere Erfahrungen mit, die in der katholischen Kirche neue Perspektiven eröffnen könnten. Die Kirchen der Reformation und die katholische Kirche müssten gemeinsam eine „Ökumene der Gaben“ leben.

Die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir wünschten dem neuen Papst Kraft, Glück und Gesundheit. Er trage mit seinem Amt „ große Verantwortung für soziale Gerechtigkeit, für den Erhalt der Schöpfung und für Frieden und Dialog zwischen den Religionen, Kulturen und Staaten“.

Der Vatikan und die Vereinten Nationen teilten gemeinsame Ziele, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon – vom Einsatz für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte bis zum Kampf gegen Armut und Hunger, alles wichtige Elemente der nachhaltigen Entwicklung.“

Die Spitzen der EU-Institutionen wünschten dem neuen Papst „ein langes und gesegnetes Pontifikat, das Eurer Heiligkeit und der katholischen Kirche erlauben wird, die Grundrechte des Friedens, der Solidarität und der Menschenwürde zu verteidigen und zu fördern“. Das erklärten EU-Kommissionschef José Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy.

Die Wahl von Papst Franziskus I. sei ein „historischer Tag“, erklärte US-Präsident Barack Obama. Die Entscheidung zeuge von der „Stärke und Vitalität einer Region, die unsere Welt immer mehr beeinflusst“. Das neue Oberhaupt der Katholiken werde als „Verfechter der Armen und Verwundbarsten unter uns“ eine „Botschaft von Liebe und Mitgefühl“ weitertragen, die seit mehr als 2000 Jahren die Welt inspiriert habe.

Der polnische Theologieprofessor und langjährige Sekretär der katholischen Bischofskonferenz Polens, Bischof Tadeusz Pieronek, nannte die Wahl von Franziskus I. zum Papst „eine große Überraschung“. „Wenn das der Wille des Konklaves war, dann heißt das, dass er ein Mensch ist, der Neues bringen soll“, sagte er. „Die Wahl kann den Versuch einer Öffnung für Veränderung bedeuten.“

Der Präsident des Lutherischen Weltbundes, Munib Younan, sah die Wahl als ermutigendes Signal für die Menschen des Südens. „Das ist ein Zeichen im Kampf gegen Armut, ein Zeichen im Kampf gegen das Leiden so vieler Millionen Menschen in den Entwicklungsländern.“

Den originellsten Kommentar hatte die argentinische Sportzeitung „Olé“ parat: „Maradona, Messi...und jetzt Jorge Mario Bergoglio“ hieß es da unter der Überschrift „Die Hand Gottes“ – eine Anspielung an Maradonas irreguläres Tor bei der Fußball-WM 1986 gegen England. Tsp

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