Welt : Verkäufer desGurkenhobelsist selber Sachse

Der Streit geht weiter: auch das Gerät ist aus dem Osten

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Johanngeorgenstadt (dpa). Der Streit um den Gurkenhobel, der zwischen Ost und West alte Gräben aufreißt, nimmt erwartungsgemäß immer größere Formen an. Auslöser war der Brief des bayerischen Unternehmers Horst Giessmann an einen sächsischen Kunden. Nachdem Familie Weyhe aus dem sächsischen Johanngeorgenstadt das erstandene Küchenutensil reklamiert hatte, schrieb Giessmann: „Ich empfehle Ihnen den Umgang mit Ihrem ehemaligen DDR-Schrott, weil Sie der Handhabung eines qualitativ hochwertigen Gerätes anscheinend nicht gewachsen sind.“ Das Kuriose an der Geschichte, die durch die „Bild“- Zeitung für Wirbel sorgte: Nicht nur das Streitobjekt wird in den neuen Bundesländern hergestellt, sondern auch Giessmann und Ehefrau Karla stammen auch noch aus Ostdeutschland.

„Er wollte nicht die Nation beschimpfen, sondern nur diese Familie treffen“, beteuert Karla Giessmann, die aus Glauchau in Sachsen kommt. Schließlich habe der 69-jährige Helmut Weyhe an jenem Tag in Bad Füssing selbst tüchtig vom Leder gezogen. „Er kam an unseren Verkaufsstand und hat meinen Mann in einer herablassenden Art behandelt“, sagt Giessmann. Für seinen Fauxpas habe sich Ehemann Horst bereits in der Öffentlichkeit entschuldigt. „Man droht uns mit Mord und Brandstiftung“, sagt sie. In dem Gerolzhofener Unternehmen sind deshalb bereits die Telefone abgeschaltet. „Mein Mann gibt keine Interviews mehr. Es ist alles gesagt“, wiegelt die 47-Jährige ab.

Die Diskussion geht aber weiter. Nächsten Montag beschäftigt der Gurkenhobel-Streit sogar den Stadtrat der unterfränkischen Kommune Gerolzhofen (Landkreis Schweinfurt). „Ich bin entsetzt, wie leichtfertig durch unflätige, beleidigende Äußerungen unsere guten Beziehungen nach Ostdeutschland kaputt gemacht werden“, sagt Bürgermeister Hartmut Bräuer (SPD). Bereits vor zehn Jahren hat die 7500 Einwohner zählende Stadt eine Partnerschaft mit Rodewisch im Vogtland geschlossen.

Genutzt hat es wohl nichts. Unternehmer Giessmann verlangte in seinem Hass-Brief den Wiederaufbau der Mauer – doppelt so hoch wie früher.

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