Welt : Verkehr: 30 000 Mark Strafe für Ferrari-Raser

Claudia von Salzen

Eine Spritztour im Ferrari kann in Finnland teuer werden - zumindest für einen Millionär. Jaakko Rytsölä, 27-jähriger Internet-Unternehmer, muss laut Gerichtsbeschluss mehr als 30 00 Mark Bußgeld bezahlen. Mit seinem roten Ferrari Modena hatte Rytsölä in Helsinki so rasant die Spur gewechselt, dass andere Fahrer zum Bremsen gezwungen waren. Außerdem probierte er an einer Ampel einen Formel-Eins-Start und schnitt dem Auto neben ihm den Weg ab.

Bußgelder werden in Finnland nach dem Einkommen berechnet: "Je mehr du verdienst, desto mehr bezahlst du", erläutert Timo Ajaste vom finnischen Innenministerium das Prinzip. Eine Obergrenze gibt es nicht. Ursprünglich hatten die Streifenpolizisten dem IT-Millionär sogar einen Strafzettel über rund 100 000 Mark ausgehändigt. Mit falschen Angaben über das eigene Einkommen kann sich in Finnland niemand mehr vor derart hohen Bußgeldern retten: Die Polizisten schicken per Handy eine Kurzmitteilung an das Finanzamt und erhalten nach wenigen Sekunden die Steuerdaten des Verkehrssünders. Nach Angaben des Innenministeriums werden in den meisten Fällen sechs bis 20 Tagessätze des Einkommens fällig. Im Durchschnitt liegen die Geldbußen bei 270 bis 400 Mark.

Rytsölä wollte eine derart hohe Strafe nicht bezahlen und legte Widerspruch ein. Das Bezirksgericht in Helsinki reduzierte den fälligen Betrag jedoch von 100 000 Mark auf weniger als 270 Mark. Das Bezirksgericht hatte zwar eine Geldbuße in Höhe des Nettoeinkommens von zehn Tagen verhängt - aber laut Gesetz wird dies gemessen an den zum Zeitpunkt der Gerichtsverhandlung verfügbaren Informationen. Multimillionär Rytsölä hatte vor Gericht angegeben, sein Einkommen betrage nunmehr nur noch 40 Mark im Monat. Grund: Die Aktien seiner Internet-Firma seien wie viele andere in den Keller gerutscht. Jaakko Rytsölä und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Antti sind in Finnland zum Symbol der jungen, neureichen Internet-Unternehmer geworden. Doch der Spaß am Autofahren könnte den Brüdern nun vergehen: Ein Berufungsgericht in Helsinki hat entschieden, dass die Kapitalgewinne des vergangenen Jahres berücksichtigt werden müssen und die Summe deshalb auf 30 000 Mark heraufgesetzt.

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