Verkehrsbehinderungen : Wintereinbruch in Deutschland

Der Wintereinbruch hat in weiten Teilen Deutschlands am Freitagmorgen zu Chaos auf den Straßen und hunderten Unfällen mit mindestens drei Toten geführt.

Hamburg - Tief «Thorsten» hat am Freitagmorgen mit heftigen Schneefällen vielerorts die Autofahrer kalt erwischt: Auf verstopften Autobahnen blieben sogar Räumfahrzeuge stecken. Flughäfen mussten Flüge absagen, oder es kam zu stundenlangen Verspätungen. Der Bahnverkehr wurde teilweise lahm gelegt. Auch im europäischen Ausland sorgten Schnee und Sturm für erhebliche Verkehrsbehinderungen und Überschwemmungen. Drei Menschen starben.

In Nordrhein-Westfalen kam es nach Angaben des Lagezentrums beim Innenministerium bis zum späten Vormittag zu 435 Unfällen mit einem Gesamtschaden von 1,3 Millionen Euro. 31 Menschen wurden meist leicht verletzt. Der Bahnverkehr wurde zum Teil lahm gelegt. Am Morgen waren einige Gebiete des Hochsauerlandes «von der Außenwelt abgeschnitten», sagte ein Sprecher der Bahn AG. Der Schnee hatte viele Weichen zugedeckt. Nebenstrecken waren durch umgestürzte Bäume blockiert. Örtlich flackerten wegen wetterbedingter Stromschwankungen immer wieder die Lampen. Ampelanlagen fielen aus, in Krankenhäusern schalteten Geräte ab, in Produktionsbetrieben standen Maschinen still, in einigen kleineren Orten fiel der Strom stundenlang aus.

Schneefall und Straßenglätte führten auf den Steigungsstrecken im Sauer- und Siegerland zu Behinderungen. Immer wieder blieben Autofahrer mit Sommerreifen stecken. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk waren pausenlos im Einsatz, um Äste und Bäume von den Straßen zu räumen, die unter der plötzlichen Schneelast geborsten waren. In der Eifel stoppten Schneeverwehungen den Verkehr. Angesichts der ergiebigen Schneefälle in den Hochlagen bereiteten sich die Betreiber einiger Skigebiete in Winterberg, Schmallenberg und Willingen unter Hochdruck auf einen vorgezogenen Start in die Wintersaison vor.

Auch in Hessen gab es erhebliche Verkehrsbehinderungen. Ein Mann kam am Morgen bei einem Unfall auf spiegelglatter Straße auf der Autobahn bei Homberg/Ohm ums Leben. Hunderte Autos, Busse und Lastwagen konnten am frühen Morgen im Berufsverkehr nicht mehr weiter fahren, landeten in Straßengräben oder fuhren gegen Leitplanken, wie die Polizei mitteilte. Der Streudienst war im Dauereinsatz, kam aber oft nicht durch. Die Polizei setzte Kettenfahrzeuge ein, um die Lastwagen von der Straße zu ziehen. Manche Autofahrer saßen in ihren Wagen fest. Helfer des Roten Kreuzes verteilten heißen Tee und Decken. Lastwagenfahrer wurden gebeten, Straßen im Harz wegen Glätte zu meiden.

Im Vogelsbergkreis fiel an mehreren Schulen der Unterricht aus. «Die Räumfahrzeuge kommen zum Teil gar nicht in die Dörfer und an die Bushaltestellen», hieß es. Im osthessischen Neuhof flüchteten Büffel, Lamas und Pferde aus einem Zirkuszelt. Das Zeltdach war unter der Last des vielen Schnees eingebrochen, wie die Polizei mitteilte.

In Rheinland-Pfalz war vor allem der Westerwald vom Wintereinbruch betroffen. Nahe Bad Marienburg war ein Fahranfänger mit seinem Auto nach einem Überholmanöver ins Schleudern geraten und gegen ein entgegenkommendes Auto geprallt. Der 18-Jährige starb im Krankenhaus. Im schwäbischen Monheim (Bayern) ist bei einem Frontalzusammenstoß zweier Autos auf glatter Straße eine Frau ums Leben gekommen.

Wegen des Wintereinbruchs in Deutschland sind am Freitag am größten deutschen Flughafen in Frankfurt rund 50 Flüge wegen des Wetters gestrichen worden. Auf den Flughäfen Düsseldorf, Köln/Bonn, München und Nürnberg starteten viele Jets mit Verspätungen. Einige Flüge mussten abgesagt werden.

Auch im Ausland sorgten Schnee, Regen und Sturm für Probleme. In Griechenland hat Dauerregen zu Überschwemmungen, Erdrutschen und Verkehrsbehinderungen geführt. Nahe Sparta im Süden der Halbinsel Peloponnes trat der Fluss Evrotas über die Ufer. Eine Frau starb in den Fluten. Ein heftiger Sturm mit Regenschauern hat am Freitagmorgen in den Niederlanden erhebliche Verkehrsprobleme verursacht. Windböen peitschten mit Geschwindigkeiten von bis zu 110 Stundenkilometern über die Küste. Starker Schneefall in der Schweiz hat in der Nacht zum Freitag im Kanton Bern zu einem fast einstündigen Stromausfall geführt. Durch die Schneelast seien Bäume umgestürzt und auf Stromleitungen gefallen, teilten die Behörden mit.

In Frankreich war am Donnerstag nördlich von Besançon ein etwa 40-jähriger Obdachloser in seinem Auto erfroren, der kurz zuvor seine Wohnung hatte aufgeben müssen. Mehr als 4000 Haushalte in Schottland waren am Freitag nach heftigen Schneefällen ohne Strom. Rund 80 Schulen wurden geschlossen, teilten die Behörden mit. Der Wintereinbruch in Schottland und Teilen Nordenglands führte zu Dutzenden von Unfällen, bei denen mindestens ein Mensch getötet wurde. In Wales wurden wegen des Winterwetters 240 Schulen geschlossen. (tso/dpa)

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