Verkehrsminister Tiefensee : "Unfallursache schnell klären"

Im Emsland macht sich die Spurensicherung an die Aufklärung des Transrapid-Unfalls. Bundesverkehrsminister Tiefensee forderte eine möglichst schnelle Aufklärung der Ursachen.

Lathen - Nach dem ersten schweren Unfall einer Magnetschwebebahn und der schlimmsten Zugkatastrophe in Deutschland seit Eschede 1998 suchen die Behörden mit Hochdruck nach der Unfallursache. An der Unglücksstelle im emsländischen Lathen begannen die Einsatzkräfte mit der Spurensicherung. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) machte sich am Vormittag ein Bild von den Bergungsarbeiten. Bei dem Transrapid-Unglück waren am Freitag 23 Menschen ums Leben gekommen. Zehn Personen wurden schwer verletzt.

"Es müssen so schnell wie möglich die Ursachen aufgedeckt und Schlussfolgerungen gezogen werden", sagte Tiefensee, der eine China-Reise wegen des Unglücks abgebrochen hatte. Erst wenn alle Ergebnisse vorlägen, könne die Frage nach Konsequenzen für die Transrapid-Technologie beantwortet werden.

Der verunglückte Zug soll vorerst nicht von der Trasse gehoben werden. "Es besteht kein Bedarf, den Zug zu bergen. Bei einem ICE oder auf einer Autobahn wäre das anders", sagte Polizeisprecher Ewald Temmen. Alles werde dokumentiert, um eine lückenlose Aufklärung des Geschehens zu sichern. Experten versuchen zu klären, warum der Transrapid losfuhr, obwohl noch ein Arbeitswagen auf der Strecke war. Als Unfallursache wird menschliches Versagen angenommen. Aber auch ein technischer Defekt in der Funkkommunikation wird nicht ausgeschlossen. Die Arbeiten an der Unglücksstelle waren in der Nacht unterbrochen worden, um den rund 200 Rettungskräften und 160 Polizisten eine Verschnaufpause zu gönnen.

Gottesdienst für die Opfer

Laut Polizei ist mittlerweile geklärt, welche Personen sich im Zug befanden. Nun gelte es, die zum Teil stark entstellten Leichen zu identifizieren. Die Gemeinde wolle am Mittwoch einen ökumenischen Gottesdienst für die Opfer in Lathen abhalten, kündigte Landrat Hermann Bröring (CDU) an.

Der etwa 80 Meter lange Transrapid war am Freitagmorgen mit vermutlich mindestens 170 Kilometern pro Stunde auf einen Arbeitszug gerast. Der Bauwagen sammelt jeden Morgen Äste von der Trasse. Erst wenn er die Strecke verlassen hat, dürfe die Magnetschwebebahn starten, hieß es. Die beiden Arbeiter sollen sich laut "Focus" vor dem Zusammenstoß durch einen Sprung gerettet haben.

Wulff und Hirche verteidigt den Transrapid

Niedersachsens Verkehrsminister Walter Hirche (FDP) verteidigte wie zuvor Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) die Bahntechnik. Der Unfall sei auf menschliches Versagen zurückzuführen und habe "nichts mit der Technologie zu tun", sagte Hirche. Das Unglück werde zwar die Diskussion über den Einsatz des Transrapids erschweren. Ein "Ladenhüter" sei die Bahn aber nicht. Auch der ICE sei nach dem "schrecklichen Unglück von Eschede" verkauft worden, und er gehe davon aus, dass dies auch beim Transrapid der Fall sein werde, sagte Hirche.

Der Landkreis Emsland will den Transrapid weiter testen. "Wir erhoffen uns ein klares Signal, dass die Bundesregierung weiter zum Transrapid steht", sagte Landkreissprecher Dieter Sturm. Tiefensee will sich am Montag in Berlin mit der Industrieanlagen-Betreibergesellschaft IABG und dem bayrischen Verkehrsminister treffen, um die Transrapid-Planungen für München zu besprechen. (tso/ddp)

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