Welt : Verkehrspolitiker fordern: Bei Stau Standstreifen öffnen

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München/Wien/Hamburg (dpa). Pünktlich zum Ferienbeginn in Nordrhein-Westfalen haben Millionen Urlauber am Wochenende in weiten Teilen Deutschlands im Stau festgesessen. Auch auf vielen Strecken in Österreich, der Schweiz und in Frankreich schwitzten die Erholungssuchenden auf Rekordlängen mit stockendem Verkehr. Erhebliche Wartezeiten gab es vor Tunneln und Grenzübergängen.

Verkehrsexperten von SPD und Union forderten am Wochenende die Freigabe der Standstreifen gegen die Staus. Bei extremen Behinderungen müsse die Polizei die Standstreifen öffnen, sagte der SPD-Verkehrspolitiker Günther Bruckmann der „Bild“-Zeitung. Ähnlich äußerte sich der verkehrspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Dirk Fischer. Dem Bundesverkehrsministerium zufolge ist es den Landespolizeibehörden erlaubt, die Standstreifen zeitlich begrenzt freizugeben. Wegen dünnen Unterbaus seien viele Standstreifen aber nicht geeignet. Auf der Autobahn A 7 durften die Autofahrer zwischen Hamburg und Flensburg seit Freitag auf etwa 23 Kilometern Länge in Richtung Norden den Standstreifen als dritte Fahrspur benutzen.

Damit die Autofahrer gar nicht erst in einen Stau geraten, will Nordrhein-Westfalen im September ein neues Stauwarnsystem starten. Bei dem Projekt „Olsim“ (Online-Simulation), das von Experten der Duisburger Universität unter Leitung des Stauforschers Michael Schreckenberg entwickelt wurde, registrieren 3500 Zählschleifen den Verkehr auf dem 2250 Kilometer langen Autobahnnetz des Bundeslandes, berichtete der „Spiegel“. Auf Grund dieser Daten gibt „Olsim“ Prognosen zur Verkehrslage ab, die laut Schreckenberg zu annähernd 100 Prozent zuverlässig sind.

Am Sonntag entspannte sich die Lage wie in Hessen und Rheinland-Pfalz vielerorts wieder. Für das kommende Wochenende werden erneut Staus erwartet. Auf den bayerischen Autobahnen kam es auch am Sonntag zu stockendem Verkehr auf einer Gesamtlänge von mehr als 50 Kilometern, berichtete die Polizei. Bereits am Samstag hatte der Reiseverkehr hier zeitweise zu weit mehr als 100 Kilometern Stau geführt.

Besonders betroffen waren die Autobahn A 7 Ulm-Füssen, die A 3 Frankfurt-Würzburg, die A 8 München-Salzburg und die Münchner Ostumfahrung. In Niedersachsen schoben sich die Autos am Samstag auf der A 7 Stoßstange an Stoßstange 70 Kilometer lang gen Norden. Auf den Autobahnen in Frankreich saßen die Urlauber bis in die Nacht zum Sonntag fest. Insgesamt erreichten die Staus am Samstag 610 Kilometer Länge, ein Rekord in der laufenden Feriensaison seit Anfang Juli, berichtete das nationale Straßeninformationszentrum. Betroffen war vor allem die Autobahn, die durch das Rhône-Tal nach Süden führt.

Viele Urlauber waren dort in Richtung Spanien unterwegs.

Bis zu vier Stunden mussten die Menschen vor dem Nordportal am Gotthardtunnel in der Schweiz ausharren. Am Samstagmorgen stauten sich die Fahrzeuge noch auf 26, später auf 12 Kilometern, wie die Polizei mitteilte. Hatten die Sonnenhungrigen den Gotthard hinter sich, mussten sie sich im Tessin erneut gedulden.

„Der Schwerverkehr hatte auf die Staubildung überhaupt keinen Einfluss“, sagte ein Polizeisprecher am Gotthard. Die Staus seien durch den Ferienverkehr verursacht worden. Behinderungen gab es am Wochenende auch in Österreich und an den Grenzen nach Slowenien und Ungarn.

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