• Verkehrsrisiko für Kinder: In großen Städten ist die Unfallgefahr für Kinder oft niedriger als in kleinen

Verkehrsrisiko für Kinder : In großen Städten ist die Unfallgefahr für Kinder oft niedriger als in kleinen

Nach einer Studie des Verkehrsclubs Deutschland verunglücken in Deutschland insgesamt aber deutlich mehr Kinder als beispielsweise in Dänemark oder Holland.

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Kinder beim Überqueren einer Straße.
Kinder beim Überqueren einer Straße.Foto: dpa

In Großstädten wie Berlin leben Kinder in puncto Verkehrssicherheit nicht gefährlicher als anderswo; für Jugendliche bergen Großstädte sogar niedrigere Verkehrsrisiken als kleinere Städte. Das ist das Ergebnis eines großen Städtechecks, den der Verkehrsclub Deutschland (VcD) am Donnerstag vorstellte. 76 Großstädte mit mehr als 100 000 Einwohnern wurden darin auf ihre Verkehrssicherheit für Kinder untersucht, bezogen auf den Zeitraum 2007 bis 2011.

In Berlin ist die Zahl der verunglückten Kinder zwar auch von 2010 zu 2011 gestiegen, mit 2,84 Unglücken pro 1000 Kinder liegt die Stadt aber unter dem bundesweiten Durchschnitt der Großstädte von 3,2. Für Jugendliche ist der Berliner Wert mit 4,88 Verunglückten auf 1000 Jugendliche – eine sehr gute Zahl angesichts eines bundesweiten Schnitts von acht Verunglückten pro 1000 Jugendliche. Das könnte an den weiten Wegen in der Hauptstadt liegen – es wird häufiger Bus und Bahn gefahren, was die Sicherheit erhöht. Speziell für Städte ohne dichten öffentlichen Nahverkehr fordert der VcD unter anderem „Discobusse“, um die Sicherheit der Jugendlichen zu erhöhen.

Während Jugendliche häufig Moped-Unfälle haben, verunglücken unter Sechsjährige bundesweit am häufigsten im Auto. Bei den Kindern, die älter als sechs Jahre sind, gibt es starke geschlechtsspezifische Unterschiede in der Unfallstatistik. Jungen über sechs sind wesentlich häufiger allein zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs als Mädchen und verhalten sich dann auch risikobereiter. Von 100 000 Einwohnern ihrer Altersgruppe verunglücken im Bundesschnitt 282 Jungen, aber nur 236 Mädchen. Denn diese werden, zumindest bis sie zehn Jahre alt sind, öfter von den Eltern mit dem Auto gefahren als Jungen.

Überhaupt, das Auto. „Immer weniger Kinder sind alleine mobil“, sagte Anja Hänel, Referentin Verkehrssicherheit beim VcD. „Im Jahr 1970 gingen noch 91 Prozent der Erstklässler allein zur Schule, im Jahr 2000 waren es nur noch 17 Prozent.“ Damit sich Kinder und Jugendliche sicher im Straßenverkehr bewegen könnten, bräuchten sie aber vor allem Übung.

Im EU-Vergleich steht Deutschland mit 277 verunglückten Kindern pro 100 000 Kinder schlecht da. In Dänemark liegt diese Zahl bei 31, in Holland bei 52 und in Finnland bei 57 Kindern.

Die Studie zeigt auch, dass es Erfolge bringt, wenn Städte die Kindersicherheit zum politischen Thema machen und ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. So haben Städte wie Hamm oder Köln mit einem kreativen Verkehrskonzept ihre Unfallzahlen deutlich senken können. Insgesamt gelang es rund der Hälfte der untersuchten Städte, die Zahl der verunglückten Kinder überdurchschnittlich zu senken, bei den Jugendlichen gelang das sogar 43 Städten. Andernorts, etwa in Fürth, stiegen die Zahlen aber, so wie sich insgesamt im Jahr 2011 die Zahl der im Straßenverkehr verunglückten Kinder leicht erhöht hat.

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