Verkehrte Welt : Kommunisten machen teuerstes Blatt

Die kommunistische Traditionszeitung "il manifesto" kostete am Freitag 50 Euro. Das sei der Preis der Freiheit, meinen die Herausgeber.

Paul Kreiner[Rom]

50 Euro für eine Zeitung? Tja, sagen die Herausgeber, das ist der Preis der Freiheit. Das traditionelle italienische Kommunistenblatt „il manifesto“ fürchtet ums Überleben. Es ist ein hehres politisch- moralisches Projekt, aber dauernd fehlt das Geld. Jetzt besonders, da Papa Staat den selbst verwalteten, den Partei- und den Kirchenzeitungen Italiens die Fördergelder kappt. Ob links oder rechts oder katholisch, egal, 120 Millionen Euro gibt’s nächstes Jahr weniger. Darunter leidet insbesondere, weil es keinen Apparat hinter sich hat, „il manifesto“.

Seit 1969 wird das kreative Intelligenzblatt tagtäglich von einer Kooperative parteiabtrünniger, ultralinker Kommunisten erstellt; 60 Redakteure und 30 Techniker arbeiten jenseits der Grenze zur Selbstausbeutung, und selbst ihr Hungerlohn bleibt mitunter monatelang aus. Wie die „taz“, so hat auch „il manifesto“ schon mehrmals die chronisch schwindende Leserschaft angepumpt. „Fateci uscire!“ heißt die letzte Abonnentenkampagne: „Wir wollen raus!“ Noch freier übersetzt: „Wenn die Zeitung nicht aus der Misere kommt, kommt die Zeitung nicht mehr heraus.“

30.000 zahlende Abonnenten brauchte man, tausend mehr als zuletzt, und wenn der – natürlich kapitalistische – Finanzminister die fehlenden vier Millionen Euro nicht überweist und die getreuen Leser bisher erst 1,4 Extramillionen gespendet haben, dann müssen die Mittel verschärft werden. Deshalb ging die Freitagausgabe des „manifesto“ für 50 Euro in den Handel. Kommunisten produzieren die teuerste Zeitung der Welt, dieses Wahnsinns ist sich die Kooperative bewusst.

Der Preis aber liegt nicht daran, dass sie – Rot und Rot gesellt sich gern – ein paar Jahre mit Ferrari im selben zentralrömischen Gebäude gearbeitet haben. Nein, es geht um Höheres: „Der Traum, die Unabhängigkeit, die Freiheit, sie haben ihren Preis“, schreibt Gabriele Polo, der Direttore.

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