• Verletzter Raubfisch getötet: Hai-Alarm vor Mallorca löst Panik bei Badegästen aus

Verletzter Raubfisch getötet : Hai-Alarm vor Mallorca löst Panik bei Badegästen aus

Am Wochenende gab es auf der Ferieninsel mehrfach Warnungen, Badende wurden aus dem Meer gescheucht. Ein verletzter Raubfisch wurde gefangen und später getötet. Doch eine Frage bleibt.

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Ein Hai schwimmt am Samstag am Illetes Strand von Mallorca. Foto: Angela & Tim Prottey-Jones/dpa
Ein Hai schwimmt am Samstag am Illetes Strand von Mallorca.Foto: Angela & Tim Prottey-Jones/dpa

War es nur ein einziger Hai, der verschiedenen Badebuchten Mallorcas einen Besuch abstattete? Oder waren es sogar mehrere dieser Raubfische, die in den vergangenen Tagen an den Stränden der Urlaubsinsel gesichtet wurden? Seit am Wochenende ein Blauhai am populären Strand Playa de Palma eingefangen und getötet wurde, gehen die wildesten Gerüchte über Sichtungen auf der spanischen Ferieninsel um. Urlauber sind beunruhigt.

„Ein Hai, ein Hai“, riefen die Menschen und sprangen panisch aus dem Wasser, nachdem sie eine Rückenflosse gesichtet hatten. Die Strandwächter scheuchten alle Badegäste aus dem Wasser. Die rote Fahne wurde gehisst, was bedeutet, dass das Baden im Meer verboten ist. Touristen standen am Strand und hielten Ausschau nach dem Hai, der nur wenige Meter vom Ufer entfernt gesehen worden war. Auf dem Wasser kreuzten Boote des Rettungsdienstes und des Küstenschutzes und suchten nach dem Meeresräuber.

Dann, am Strandabschnitt des zu Palma gehörenden Örtchens Can Pastilla, wurden die Suchkommandos fündig. Sie entdeckten tatsächlich einen Hai, der scheinbar orientierungslos hin und her schwamm. Die Hai-Jäger trieben das Tier zum Ufer, wo ihn Spezialisten des Aquariums von Palma einfingen und betäubten, um ihn zunächst auf Krankheiten oder Verletzungen zu untersuchen. Denn normalerweise nähern sich Haie, die im Mittelmeer leben, nicht den Stränden, sondern bleiben in tieferen Gewässern.

Einige wollen auch einen viel größeren Hai gesichtet haben

Der Verdacht der Fachleute bestätigte sich. Der rund zwei Meter lange Blauhai, ein Jungtier, war schwer verletzt. Er hatte einen Angelhaken im Maul und eine tiefe Wunde im Körper, die von einer Harpune stammen könnten. Der Riesenfisch hatte wegen seiner Verletzungen keine Überlebenschance mehr. Die Veterinäre entschieden deswegen, den Hai einzuschläfern. Möglicherweise, so glauben Wissenschaftler, war er in schützende seichte Gewässer geschwommen, um nicht selbst von anderen großen Raubfischen gefressen zu werden.

Nun rätseln die Experten, ob es dieser kranke Hai war, der in den vergangenen Tagen mehrere Strände in der Umgebung der Inselhauptstadt Palma angeschwommen hatte, oder ob sich noch weitere dieser Raubfische in Mallorcas Küstengewässern herumtreiben. Den an anderen Stränden hatte es ebenfalls Hai-Alarm gegeben – auch an der Playa Illetes, in der Cala Nova, der Cala Major und auch an der vielbesuchten Playa de Palma, dem Ballermann-Strand, war eine Hai-Rückenflosse im Wasser gesichtet worden.

Einige Zeugen wollten sogar einen sehr viel größeren Hai ausgemacht haben als jenen, der in Can Pastilla eingefangen und später getötet worden war. Seit einigen Tagen kursieren Dutzende Hai-Videos, gedreht von Mallorca-Urlaubern, in den sozialen Netzwerken. Man weiß nicht von allen, ob sie wirklich authentisch sind. Es scheint fast so, als ob sich ganz Mallorca in diesen Tagen auf Hai-Jagd begeben hat. Der Hai-Spuk ist derzeit das Thema Nummer eins an Mallorcas Urlauberstammtischen. Die Sicherheitskräfte an den Stränden nehmen das Thema ernst und sind in Alarmbereitschaft. Experten vermuten allerdings, dass es sich bei allen Hai-Sichtungen immer um denselben Raubfisch handelte.

Haie kommen im Mittelmeer häufig vor, rund 50 verschiedene Arten dieser großen Raubfische leben in den Gewässern. Hochseefischern gehen die Räuber immer mal wieder ins Netz oder an die Angel.

Hai-Angriffe sind in Europas Gewässern sehr selten

Es ist nicht das erste Mal, dass auf Mallorca Hai-Alarm ausgelöste wird. Wenigstens eine Hai-Sichtung gehört zum typischen Sommer von Mallorca. Meist handelte es sich dabei um kranke und kleinere Tiere. Hai-Angriffe auf Menschen sind in europäischen Gewässern äußerst selten. Vor zwei Jahren war von der spanischen Kanareninsel Gran Canaria ein Hai-Angriff gemeldet worden. Damals war eine 38-jährige Touristin beim Baden von einem etwa zwei Meter langen jungen Hai attackiert worden. Die Urlauberin hatte sich etwa 20 Meter vom Ufer entfernt befunden, als der Raubfisch die Frau plötzlich mehrmals in den Oberarm biss. Die Schwimmerin, die nur leichte Verletzungen erlitt, konnte sich losreißen und ans Ufer retten.

Dies war der erste Hai-Angriff, der in den vergangenen Jahrzehnten von den im Atlantik liegenden Kanarischen Inseln gemeldet wurde. Von Mallorca und den anderen Balearischen Inseln ist in den vergangenen Jahren kein einziger Hai-Angriff bekannt geworden. Weltweit kommt es Experten zufolge jedes Jahr zu 70 bis 100 Hai-Angriffen, von denen aber nur fünf bis zehn tödlich enden.

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