Welt : Verlobung: Der Befreiungsschlag

Thomas Roser

Innig schloß die sonst so gestrenge Monarchin ihre künftige Schwiegertochter in ihre Arme. In gesetzten Worten hatte die niederländische Königin Beatrix zuvor ihren Landsleuten per Fernsehansprache die Verlobung ihres ältesten Sprößlings Willem Alexander mit Maxima Zorreguita offiziell verkündet. Sie habe Maxima als eine "intelligente, moderne und mutige Frau" kennengelernt, rühmte Königin Beatrix die argentinische Freundin des Kronprinzen: Maxima wisse um die "Opfer", die ihre neue Rolle erfordere.

Die 30jährige Argentinierin ließ dem Loblied der künftigen Schwiegermutter umgehende Taten folgen, sprach endlich die erlösenden Worte aus, die den Weg für die niederländische Hochzeit des Jahrhunderts ebnen sollten.

Als Argentinierin "verwerfe" sie die Videla-Diktatur und finde sie es schrecklich, was damals passiert ist, bekannte die Prinzenbraut in erstaunlich gutem Niederländisch: "Es tut mir leid, dass mein Vater als Agrarminister sein Bestes für ein solches Regime gegeben hat."

Seit Premier Wim Kok vor eineinhalb Jahren die zarten Liebesbande von Willem Alexander mit der Argentinierin offiziell bestätigte, lechzt der königstreue Teil der Bevölkerung der Hochzeit fieberhaft entgegen. Blond, hochgewachsen und lebenslustig verkörpert die studierte Wirtschaftsfachfrau für viele Niederländer eigentlich das Idealbild ihrer künftigen Monarchin. Kompliziert wurden alle Hochzeitsspekulationen jedoch durch die Berichte über die politische Vergangenheit von Maximas Vater: Denn Jorge Zorreguita hatte unter General Videla als Agrarminister gedient.

Mehr und mehr wurde die mögliche Vermählung des Kronprinzen in den vergangenen Monaten zum Politikum. Die Vorstellung, dass ausgerechnet ein ehemaliges Junta-Mitglied bei einer Hochzeit in der goldenen Kutsche von Königin Beatrix über das Kopfsteinpflaster von Den Haag rumpeln könnte, verschreckte in den Niederlanden nicht nur Menschenrechts-Aktivisten. Hoch wogten in den Niederlanden die Diskussionen, ob und wie sich Maxima vor einer Hochzeit von ihrem mißliebigen Vater distanzieren müsse. Als Willem Alexander Anfang März den Journalisten für eine "ausgewogenere" Berichterstattung über die Juntavergangenheit von Zorreguita ausgerechnet die Lektüre eines Leserbriefs von Videla empfahl, geriet schließlich gar das Königshaus selbst in den Mittelpunkt der Diskussion: Einige Politiker begannen öffentlich an der Befähigung des Kronprinzen zu zweifeln, andere stellten gar die Monarchie an sich zur Diskussion.

Dumm oder sehr dumm?

Geschickt haben die in die Enge getriebenen "Oranjes" in Abstimmung mit Premier Kok nun mit Hilfe der vorgezogenen Verlobung einen Befreiungsschlag lanciert. Ihr Vater werde "aus freien Stücken" auf die Teilnahme an der für Anfang 2002 geplanten Hochzeit verzichten, vermochte Maxima ihre künftigen Landesleute zu beruhigen. Reuemütig räumte ihr Traumprinz ein, dass seine Bemerkung über den Leserbrief Videlas "dumm" gewesen sei. "Sehr dumm", ergänzte Maxima - und hatte die Lacher in der verzückten Journalistenschar auf ihrer Seite. "Maxima nimmt alle Zweifel weg," bewertete die Tageszeitung "trouw" die sorgfältig inszenierte Charme-Offensive als gelungen.

Tatsächlich scheint Maxima mit ihrem überzeugenden Auftritt nun auch zweifelnde Landeskinder für sich eingenommen zu haben. Hunderte begeisterter Niederländer jubelte dem Paar nach der Bekanntgabe der Verlobung vor dem Königspalast in Den Haag zu, schwenkten Plakate mit der Aufschrift "Maxima, we love you !" "Endlich haben nun auch wir eine Lady Di," freute sich der Utrechter Royalty-Watcher Jacques Koch. Während der schamhaft errötete Alex seiner Verlobten vor den Linsen der Kameras liebevoll über den Rücken streichelte, machte sie deutlich, dass sie keine Illussionen über ihr neues Leben hegt: "Ich bin mir bewusst, dass ich von nun an in einem goldenen Käfig leben werde."

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