Vermisstensuche : Kein Wunder in Köln

Nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs kann die Feuerwehr einenverschütteten Jugendlichen nur noch tot bergen. Nach dem zweiten Vermissten, einem 24 Jahre alten Designstudenten, wird weiter fieberhaft gesucht Unterdessen weitet die Staatsanwalt die Ermittlungen aus.

Daniel Taab[Köln]
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Foto: ddp

Es war Punkt vier Uhr morgens, als die Einsatzkräfte den leblosen Körper von Kevin auf eine Trage legten. 19 Minuten später fährt der Leichenwagen an Journalisten vorbei in Richtung der Kölner Rechtsmedizin am Melatenfriedhof. Zwei Stunden später haben Angehörige und die Retter Gewissheit: Der seit dem Einsturz des Historischen Archivs vermisste 17-jährige Bäckereilehrling ist tot.

„Wir haben ihn an seinen Fingerabdrücken zweifelsfrei identifiziert. Er war auf der Stelle tot“, sagte Polizeidirektor Tobias Clauer. Das „Wunder von Köln“ ist ausgeblieben, teilte Kölns Leitender Polizeidirektor Dieter Klinger sichtlich bewegt mit. Feuerwehrchef Stephan Neuhoff gab während einer Pressekonferenz gestern Mittag im Polizeipräsidium weitere furchtbare Details des Unglücks am Dienstag bekannt. „Der Jugendliche ist beim Absturz 16 Meter in die Tiefe gestürzt. Sein Kopf lag unterhalb des Kellerbodens“. Zuerst habe ein Mitarbeiter der Freiwilligen Feuerwehr gegen ein Uhr eine Hand gesehen. Dann legten die Einsatzkräfte behutsam den restlichen Körper frei. Bei der Katastrophe sei der junge Mann vom hinteren Teil des Hauses in den vorderen Bereich des Gebäudes geworfen worden. Die Polizei geht davon aus, dass er geschlafen hat, als das Haus zusammenbrach. Der Lehrling habe seine Arbeitsstelle um acht Uhr verlassen, habe sich dann noch mit einem befreundeten Bewohner unterhalten und sich dann übermüdet ins Bett gelegt.

Ein Kradfahrer der Kölner Polizei, der unmittelbar nach dem Einsturz auf der Severinstraße war, gab den Ermittlern wertvolle Hinweise. Er sagte, dass zuerst das Archiv und dann das Nachbarhaus mit der Hausnummer 230 einstürzte. „Dadurch wussten wir, dass wir auf dem Gelände des Mehrfamilienhauses und nicht auf dem Areal des Archivs suchen müssen“, sagte Feuerwehrchef Neuhoff. Der Lehrling lebte vor seinem Einzug in einer Jugendeinrichtung und zog dann in die Wohnung in der Kölner Südstadt: „Es war ein großer Wunsch von ihm“, sagte der Pflegevater der „Kölnischen Rundschau“. Eigentlich hätte Kevin Koch werden wollen, doch das Bäckereihandwerk habe ihm großen Spaß gemacht.

Nach dem zweiten Vermissten, einem 24 Jahre alten Designstudenten, wird weiter fieberhaft gesucht. „Es wird ohne Ende Schutt abgetragen und gesucht“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Noch am frühen Sonntagmorgen kamen Freunde und Bekannte des Mannes an die Einsturzstelle und hofften auf eine Rettung. Weitere verschüttete Personen befürchtet die Feuerwehr nicht unter den Trümmern. Mit absoluter Sicherheit könne dies aber erst gesagt werden, „wenn jeder Stein umgedreht ist“, sagte Feuerwehrchef Neuhoff.

Um der Opfer der Katastrophe zu gedenken, ist eine Gedenkfeier geplant, teilte die Stadt mit. Die Staatsanwaltschaft hat nach Angaben ihres Sprechers Günther Feld die Ermittlungen nach dem Fund der Leiche ausgeweitet. Sie ermittelt nun neben Baugefährdung auch wegen fahrlässiger Tötung. Über mögliche Beschuldigte konnte Feld noch keine Angaben machen. Erst müssten sich die drei beauftragten Gutachter ein detailliertes Bild von der Unglücksstelle machen. Der Fall hat einen dermaßen großen Umfang, dass er als Sonderverfahren bei der Anklagebehörde geführt wird.

Der Vorstandssprecher der Kölner Verkehrsbetriebe KVB hat sein Bedauern bekundet. „Ich möchte mich entschuldigen für das, was passiert ist“, sagte Jürgen Fenske. Dies sei ihm ein persönliches Bedürfnis. Die KVB stehen in der Kritik, weil die Ursache für das Unglück wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Kölner U-Bahn-Bau steht.

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