Welt : Vermisster Bürgermeister ist tot

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Röckingen/Prag (dpa). Der seit mehr als vier Monaten verschwundene Bürgermeister der fränkischen Gemeinde Röckingen, Erich Kunder, ist tot. Das bestätigte am Donnerstag die Staatsanwaltschaft Ansbach unter Berufung auf die tschechische Polizei. Nach einem Bericht der Prager Zeitung „Pravo“ (Donnerstagausgabe) wurde der 51 Jahre alte Kommunalpolitiker Opfer eines Gewaltverbrechens. Die Polizei habe zwei Männer im Alter von 25 und 30 Jahren unter Mordverdacht festgenommen. Ihnen drohe eine lebenslange Haftstrafe.

Der Sprecher der Ansbacher Staatsanwaltschaft, Ernst Metzger, sagte, die tschechische Polizei habe eine Leiche gefunden, „die mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit die des verschwundenen Bürgermeisters ist“. Über Einzelheiten wollte die tschechische Polizei am Mittag bei einer Pressekonferenz in Prag informieren. Der Leichnam sollte noch im Laufe des Tages in Pilsen obduziert werden.

Nach dem Bericht des Blattes, das sich auf Polizei-Ermittlungen beruft, hatte Kunder bei einer Dienstreise nach Tschechien Anfang März eine Prostituierte kennen gelernt. Diese habe ihn vermutlich in eine Wohnung gelockt, in der zwei Komplizen Kunder auflauerten und ihn überwältigten. Der 51-Jährige sei zunächst mit Holzknüppeln niedergeschlagen und dann mit einem Draht erdrosselt worden, hieß es.

Dann hätten sie die Leiche des Bürgermeisters in einem Teppich aus der Wohnung und in einen Wald in der Nähe von Plesna bei Cheb (Eger) geschafft. Dort sei sie am Mittwoch entdeckt worden. Laut „Pravo“ stammen die Festgenommenen aus dem Raum Cheb (Eger) und Sokolov (Falkenau). Sie sollen nach Angaben der Polizei „ein reichhaltiges Vorstrafenregister im Bereich des Gewaltverbrechens“ besitzen. Die Männer hätten bei der Festnahme keine Gegenwehr geleistet und bereits zur Tat ausgesagt, berichtete „Pravo“.

Der 51 Jahre alte Bürgermeister von Röckingen (Landkreis Ansbach) war seit 5. März verschwunden. Eine erste Spur hatte sich ergeben, als Kunders Bankkarte nach seinem Verschwinden an Geldautomaten in Plzen (Pilsen) und Cheb zum Abheben von etwa 2000 Euro benutzt worden war. Prager Presseberichten zufolge hatte ein Mann Anfang März versucht, den Wagen von Kunder nach Weißrussland zu überführen. Aus dem Verhör des Mannes seien aber keine neuen Erkenntnisse über das Schicksal des Bürgermeisters gewonnen worden, hieß es damals.

Erst vor einigen Wochen hatte die tschechische Polizei eine groß angelegte Suche nach dem Kommunalpolitiker in Westböhmen erfolglos beendet. Bei der dreitägigen Aktion hatten etwa 200 Spezialisten das Grenzgebiet durchkämmt, zudem waren Hubschrauber eingesetzt worden.

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