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Verschollener Flug MH370 : Angehörige der Passagiere drohen mit Hungerstreik

26 Länder suchen nach der verschollenen Boeing. Angehörige der Passagiere wollen mehr wissen und beklagen die Informationspolitik der Behörden - jetzt drohen sie mit Hungerstreik. Und US-Vizeaußenminister Talbott hat einen Verdacht.

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Ein Mädchen zündet eine Kerze für die vermissten Passagiere von Flug MH-370 an.
Ein Mädchen zündet eine Kerze für die vermissten Passagiere von Flug MH-370 an.Foto: AFP

Verzweifelte Angehörige von chinesischen Passagieren an Bord des verschollenen malaysischen Flugzeugs drohen aus Protest gegen die malaysische Informationspolitik zu dem Unglück mit einem Hungerstreik. Einer ihrer Sprecher kritisierte am Dienstag, dass es zehn Tage nach dem Verschwinden der Passagiermaschine immer noch keine Hinweise gebe. Die Angehörigen würden nun zur malaysischen Botschaft in Peking gehen, "um den Botschafter zu finden", fügte der 63-jährige Wen Wancheng nach einem Treffen zwischen Vertretern von Malaysia Airlines und Angehörigen in einem Pekinger Hotel hinzu.

Weiter fehlt jede Spur des seit nunmehr elf Tagen vermissten Malaysia-Airlines-Flug 370 mit 239 Menschen an Bord . Die Suche geht auch am Dienstag weiter. Gleichwohl sinkt die Hoffnung, dass die Maschine gefunden werden wird, denn das Suchgebiet erstreckt sich mittlerweile von Australien bis nach Kasachstan.

Immer geringer wird die Hoffnung, dass die Boeing 777 zu einer abgelegenen Piste entführt wurde, Passagiere und Besatzungsmitglieder noch am Leben sind. Der zweistrahlige Großraumjet war am Morgen des 8. März auf dem Flug nach Peking über dem Südchinesischen Meer vom zivilen Radar verschwunden, nachdem offenbar mutwillig die Kommunikationsanlagen ausgeschaltet worden waren. Danach hatte die Maschine aber gewendet, Malaysia erneut überquert und war mindestens sieben Stunden lang weitergeflogen. Ein Nachrichtensatellit empfing zu diesem Zeitpunkt ein letztes, automatisch abgestrahltes Signal, ohne dass eine genauere Position ermittelt werden konnte.

Zum letzten Kontakt mit der MH370 kam ein neues Detail ans Licht

Inzwischen beteiligen sich 26 Länder an der Suche, die sich über das Festland von insgesamt elf Staaten sowie riesige Gebiete des Indischen Ozeans vom Golf von Bengalen bis zur australischen Westküste erstreckt. Das sagte der malaysische Verteidigungs- und amtierende Verkehrsminister Hishammuddin Hussein. Ein Fachmann aus China und drei Experten aus Frankreich seien zum Ermittlerteam dazugestoßen, sagte er am Montag in Kuala Lumpur. An der südlichen Flugroute übernahm Australien die Koordination der Suche, wie Regierungschef Tony Abbott mitteilte. Bei seiner Pressekonferenz konnte er allerdings keine Angaben darüber machen, ob jemand an Bord so starke persönliche Probleme gehabt hatte, dass er die Maschine in einer Verzweiflungstat zum Absturz gebracht haben könnte. Die malaysischen Behörden haben die Heimatländer aller ausländischen Passagiere um eine Überprüfung der Verhältnisse aller an Bord registrierten Personen gebeten.

Zum letzten Kontakt mit der Maschine kam ein neues Detail ans Licht: Die letzten bekannten Worte aus dem Cockpit stammten wahrscheinlich vom Kopiloten Fariq Abdul Hamid (27) und nicht von Flugkapitän Zaharie Ahmad Shah (52), sagte Airlinechef Ahmad Jauhari Yahya. "Alright, good night" (etwa: Alles klar, gute Nacht), war der letzte Funkspruch, den die malaysische Bodenkontrolle aus dem Cockpit von Flug MH370 erhielt. Er ging um 01.19 Uhr Ortszeit ein, etwa 40 Minuten nach dem Start. Der Verkehrsminister wiederholte, dass neben Sabotage und Entführung auch ein möglicher Selbstmord eines Piloten in Betracht gezogen werde.

Verdacht: Entführung, um Terroranschlag zu begehen

Der frühere US-Vizeaußenminister Strobe Talbott äußerte den Verdacht, die Maschine könnte mit dem Ziel entführt worden sein, damit einen Terroranschlag auf ein Gebäude in Indien zu begehen. Bei den Anschlägen in den Vereinigten Staaten vom 11. September 2001, wo Terroristen zwei Flugzeuge ins New Yorker World Trade Center und eines in das Pentagon in Washington steuerten, war ein vierter Jet nach Auseinandersetzungen zwischen den Entführern und den Passagieren abgestürzt.

Indessen mehrt sich insbesondere in China, von wo 153 der Passagiere stammen, die Kritik an den malaysischen Behörden. Hatten amerikanische Ermittler bereits Mitte vergangener Woche darauf hingewiesen, dass die Boeing offenbar noch Stunden weitergeflogen war, hatten die malaysischen Behörden das erst am Wochenende zugegeben und das Suchgebiet entsprechend erweitert. In einem von der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua verbreiteten Kommentar ist von einem Mangel an zeitgemäßen Informationen und von der Verschwendung der massiven Suchbemühungen die Rede. Wörtlich heißt es: "Angesichts der heutigen Technologie riecht der Zeitverzug entweder nach Vernachlässigung von Pflichten oder einem Zögern, Informationen umfassend und rechtzeitig zu teilen." Minister Hishammuddin Hussein versicherte, dass Malaysia keine Kenntnisse zurückhalte. Man könne aber nur die Informationen bekannt geben, die man verifiziert habe und durch die die laufenden Ermittlungen nicht beeinträchtigt würden. (mit AFP/dpa)

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