Versteigerung : 3,4 Millionen für Honeckers Jagdresidenz

Die Van-der-Valk-Hotelgruppe hat Erich Honeckers pompöse Jagdresidenz in der Mecklenburgischen Seenplatte ersteigert. Die Erinnerung an den einstigen Hausherren will der neue Besitzer nicht völlig tilgen.

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Erich Honeckers einstige Jagdresidenz beeindruckt durch ihre herrliche Lage zwischen Wald und Drewitzer See an der Autobahn Berlin- Rostock. Und nicht nur damit.Alle Bilder anzeigen
Foto: Claus-Dieter Steyer
21.11.2011 19:17Erich Honeckers einstige Jagdresidenz beeindruckt durch ihre herrliche Lage zwischen Wald und Drewitzer See an der Autobahn...

Sein Name fiel im Saal 2 des Amtsgerichtes in Waren an der Müritz am Montag kein einziges Mal. Doch er schwebte während der ganzen dreistündigen Zwangsversteigerung unsichtbar durch den Raum: Erich Honecker. Seine pompöse Jagdresidenz in der Mecklenburgischen Seenplatte sollte schließlich unter den Hammer kommen. Doch trotz dieser Historie, der herrlichen Lage zwischen Wald und Drewitzer See an der Autobahn Berlin- Rostock und des vergleichsweise geringen Mindestgebots von 1,87 Millionen Euro hielt sich das Interesse von ernsthaften Bietern in Grenzen. Am Ende setzte sich die holländische Van-der-Valk-Gruppe durch, die nun für 3,4 Millionen Euro ins Grundbuch eingetragen werden soll. Zwei Millionen Euro erhält davon die Deutsche Kreditbank, die diese Summe dem aus Bremen stammenden Hotelbetreiber Hans-Jürgen Hansen geliehen hatte. Dieser kaufte dafür das 14 Hektar große Areal Ende der neunziger Jahre von der Treuhand, war aber vor einiger Zeit in die Pleite gerutscht. Den Kredit der Bank konnte er nie zurückzahlen. Das übrige Geld geht an weitere Gläubiger.

Während der Bremer Unternehmer Hansen im Gerichtssaal keine große Rolle spielte, hätte seine Frau fast die ganze Zwangsversteigerung durcheinander gebracht. Sie teilte dem Gericht zehn Minuten vor Beginn schriftlich mit, dass ihr das Bootshaus von Honecker zustehe. Dafür stehe sie mit einem Wert von 306 000 Euro zwar in den Akten, aber nicht in der Insolvenzmasse ihres Mannes. Da das Amtsgericht diesen Einspruch in der Eile der Zeit nicht überprüfen konnte, erfolgte der Zuschlag an die Van-der-Falk-Gruppe sozusagen unter Vorbehalt. Die offizielle Verkündung des Versteigerungsergebnisses soll nun am kommenden Montag erfolgen.

Doch Geschäftsführer Vincent van der Valk, der für die Zwangsversteigerung extra aus Holland an die Müritz gefahren war, gab sich zuversichtlich. „Das Bootshaus nützt der Frau gar nichts, weil wir sämtliche Zufahrtswege besitzen“, sagte van der Valk. „Sie könnte nur mit dem Boot über den See das Gebäude erreichen.“ Er sei mit dem Ergebnis jedenfalls sehr zufrieden, weil er unbedingt das Ferienresort mit der Honecker-Suite im Hauptgebäude und den 25 Ferienhäusern haben wollte. „Wir sind ja schon eine Weile Betreiber des Areals, konnten uns aber mit dem wirtschaftlich angeschlagenen Eigentümer nicht einig werden und werden jetzt endlich investieren.“ Zwar solle die Ruhe auf dem Gelände gewahrt bleiben, aber die Konkurrenz ähnlicher Anlagen sei in dieser Region sehr hoch. Das vergleichsweise niedrige Mindestgebot von knapp 1,9 Millionen Euro habe ein amtlicher Gutachter festgelegt. „Die Anlage steht nun mal ziemlich weit draußen. Am Wannsee wäre sie wahrscheinlich unbezahlbar.“ Um ein Haar hätte van der Valk sogar 300 000 Euro bei der Versteigerung gespart. Doch buchstäblich in der letzten Minute der halbstündigen Frist, in der Gebote beim Gericht abgegeben werden konnten, meldete sich aus der hintersten Reihe des vollbesetzten Gerichtssaals ein blonder und hoch aufgeschossener Mann. „Ich biete mit“, rief er und holte zur allgemeinen Verblüffung einen vorbereiteten Scheck aus seiner Aktentasche. In kleinen Schritten lieferte sich der sich als „Anwalt aus Duisburg“ bezeichnende Interessent ein Duell mit van der Valk, eher er das Handtuch warf. Fragen zu seiner Person und seinen offensichtlichen Auftraggebern ließ er unbeantwortet. Bewohner aus der Umgebung des 1982/83 für den DDR-Staatschef gebauten Refugiums erinnern sich an viele Begebenheiten. „Für das Wild wurden extra Salzsteine an die Bäume gehängt, damit sie für Honecker ein leichtes Zielobjekt waren“, sagte ein älterer Herr, der als Hilfsjäger die Bekanntschaft mit dem Hausherrn machte. Andere erzählten von einem Radunfall Honeckers, der wegen des prominenten Patienten eine Absperrung des örtlichen Krankenhauses zur Folge hatte. Sehr oft habe sich Margot Honecker allein im Jagdhaus mit Schwimmbad, Sauna und schöner Sicht auf den See aufgehalten. Die Erinnerung an den einstigen Hausherren will Vincent van der Valk nicht völlig tilgen. „Er gehört ja irgendwie zur Geschichte dazu“, meinte er kurz vor der Abfahrt in sein neues Eigentum.

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