Versuchter Ehrenmord : Eltern wird Vormundschaft entzogen

Weil eine 17-jährige Irakerin sich gern modern kleidet und studieren möchte, schlägt ihr Bruder ihr einen Pflasterstein auf den Hinterkopf und tritt ihr ins Gesicht. Den Eltern des Mädchens wird nun das Sorgerecht entzogen.

TrierNach dem blutigen Drama um Familienehre hat das Amtsgericht Trier den Eltern des schwer verletzten Mädchens die Vormundschaft entzogen. "Es ist selbstverständlich, dass in so einem Fall schnell gehandelt wird“, sagte die Direktorin des Gerichts, Jutta Terner. Die 17-Jährige befinde sich nun in der Obhut des Jugendamtes. Die junge Frau irakischer Herkunft war am Dienstag von ihrem 21 Jahre alten Bruder brutal zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt worden. Grund für die Attacke soll der westliche Lebensstil des Mädchens gewesen sein.

Die 17-Jährige sei zwar inzwischen außer Lebensgefahr, aber "nach wie vor nicht erreichbar", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Horst Roos. Wann das Mädchen vernommen werden könne, sei noch völlig unklar. Ihr Bruder, gegen den Haftbefehl wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung erlassen wurde, schweige nach wie vor zu der Tat. Bisher gebe es keine Anhaltspunkte für einen Mordversuch. Das Mordmerkmal Heimtücke liege nicht vor, weil das Opfer nicht in eine Falle gelockt worden sei.

Pflasterstein, Fußtritte und Schläge

Die junge Frau war bereits im April wegen familiärer Konflikte ausgezogen - das Jugendamt übernahm ihre Betreuung. Wegen einer Unterschrift für einen Bafög-Antrag hatte sie am Tattag ihre noch sorgeberechtigten Eltern mit einer Betreuerin aufgesucht. Kurz nach dem Besuch hatte der Bruder seiner Schwester aufgelauert und sie mit einem Pflasterstein, Fußtritten und Schlägen schwer an Kopf und Gesicht verletzt. Auch die Betreuerin erlitt Verletzungen im Gesicht. Bereits im Mai war der Mann auf seine Schwester losgegangen. Damals war aber kein staatsanwaltschaftliches Verfahren eingeleitet worden, sagte Roos.

Mitte Mai war in Hamburg eine 16-jährige Deutsch-Afghanin von ihrem 23 Jahre alten Bruder auf der Straße erstochen worden, weil er ihren westlichen Lebensstil nicht akzeptierte. Danach war Kritik laut geworden, staatliche Stellen hätten nicht rechtzeitig eingegriffen, um das Leben des Mädchens zu schützen. Die Schülerin war vor ihrem Tod bereits mehrfach von ihrem Bruder zusammengeschlagen worden. (sgo/ddp/dpa)

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