Verurteilt : Phil Spector singt den Jailhouse-Rock

Produzentenlegende Phil Spector muss für neunzehn Jahre ins Gefängnis – wegen Mordes an der Schauspielerin Lana Clarkson.

Gerrit Bartels

Berlin - Schuldig gesprochen wurde Phil Spector von einem Geschworenengericht schon vor ein paar Wochen, jetzt ist von einem Gericht in Los Angeles auch das Strafmaß für den legendären Musikproduzenten festgelegt worden: Phil Spector muss für den von ihm 2003 in seinem Haus verübten Mord an der Schauspielerin Lana Clarkson und wegen illegalen Waffenbesitzes für 19 Jahre ins Gefängnis. Damit dürfte der 68-jährige den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen; und damit geht eine Musikerkarriere unrühmlich-traurig zu Ende, deren letzter rühmlicher Höhepunkt allerdings auch schon zwanzig Jahre zurückliegt: 1989 war es, als Phil Spector in die „Rock ’n’ Roll Of Fame“ aufgenommen wurde, für seine genialischen Hit-Produktionen, mit denen er den Rock ’n’ Roll nachhaltig veränderte.

Geboren 1940 in der Bronx, aufgezogen von einer Mutter, die ihn bisweilen für den Selbstmord seines Vaters verantwortlich machte, als er zwölf Jahre alt war, kreierte er in den frühen sechziger Jahren für Girlgroups wie die Ronettes, The Crystals und für die Righteous Brothers den sogenannten „Wall of Sound“. Den erzielte Spector dadurch, dass er mehrere Instrumente übereinanderschichtete und so einen bombastischen Klang erzeugte, der seine Hörer geradezu überfuhr, aber nie überforderte. „Einen wagnerianischen Zugang zum Rock ’n’ Roll“ hat Spector diese Methode selbst genannt, „kleine Sinfonien für die Kids“. Bis Mitte der sechziger Jahre war Spector laut Tom Wolfe „the first tycoon of teen“ und produzierte Hits am Fließband, Stücke wie „Da Doo Ron Ron“ von den The Crystals oder „Be My Baby“ von den Ronettes. Als aber die Beatles und die Stones immer erfolgreicher wurden, als er 1966 mit einer Produktion für Ike und Tina Turner seinen ersten kommerziellen Flop hinlegte, als es für ihn zunehmend schwerer wurde, Größe und Größenwahn sauber zu trennen, bekam seine traumhafte Karriere erste Brüche.

Spector durfte zwar noch das letzte Studioalbum der Beatles mitproduzieren und „Let It Be“ mit zwitschernden Streichern und pastoralen Chören unterlegen – John Lennon selbst hatte ihn dazu eingeladen – , doch mehr und mehr machten Geschichten die Runde, dass er zu Gewalttätigkeiten neige, Waffen sammele und es um seine Psyche nicht zum besten stehe. 1972 verließ ihn seine Frau Regina Spector, die Sängerin der Ronettes, weil er sie immer wieder bedroht und aus Eifersucht in seiner Villa in Los Angeles wie eine Gefangene gehalten hatte.

Trotz des hohen Konsums von Drogen aller Art, trotz der nicht zuletzt mit diesen im Zusammenhang stehenden psychischen Auffälligkeiten schien er sich immer noch zu der einen oder anderen musikalischen Großtat aufraffen zu können, zur Produktion von Leonard Cohens Album „Death Of A Ladies’ Man“ (1977), zu „End Of The Century“ (1980) von den Ramones und zu Yoko Onos „Seasons Of Glass“ (1981) In den achtziger Jahren jedoch verschwand Spector praktisch komplett von der Bildfläche und tauchte erst wieder auf, als er im Morgengrauen des 3. Februar 2003 verhaftet wurde, dringend verdächtigt, die B-Schauspielerin Lana Clarkson erschossen zu haben, die er einige Stunden zuvor in einem Club am Sunset Strip kennengelernt und dann mit zu sich nach Hause genommen hatte.

„Ich glaube, ich habe jemanden umgebracht“, soll er laut Aussage eines Chauffeurs gerufen haben, als er mit einer Pistole in der Hand aus seinem Haus kam. Es folgte ein Prozess 2007, in dem nicht alle Geschworenen zweifelsfrei von seiner Schuld überzeugt waren, und jener zweite im April diesen Jahres, der Phil Spector endgültig schuldig sprach.

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