Welt : Verzweifelter Kampf gegen das Hochwasser

Werner Vogt

Keine westlichen Rettungshelikopter in Mosambik im Einsatz - Hilfswerke sprechen von mehreren Tausend TotenWerner Vogt

Auch drei Tage nach der Eskalation der größten Flutkatastrophe im Süden Afrikas kämpft die südafrikanische Luftwaffe noch immer allein in Mosambik, in jenem Land, das weitaus am schlimmsten von den Naturgewalten heimgesucht wurden ist. Während die offizielle Opferzahl in Südafrika, Simbabwe, Botswana und Mosambik über die 300er-Grenze gestiegen ist, sprechen Hilfswerke bereits von mehreren Tausend Toten. Piloten der südafrikanischen Luftwaffe, die über dem östlichen Nachbarland im Einsatz sind, berichten über Hunderte von menschlichen Leichen, die neben Tierkadavern auf den zu kilometerbreiten Strömen angewachsenen Flüssen treiben.

Südafrika ist in dieser Weltgegend die einzige Militärmacht, die substanzielle Lufttransportmittel zur Verfügung stellen kann. Seit sich das Desaster anbahnte, d.h. seit drei Wochen hat die südafrikanische Luftwaffe fünf Helikopterequipen nach Mosambik entsandt. Zwei weitere Teams wurden am Dienstag ins Nachbarland verlegt. Das Nachbarland Malawi stellte zwei Hubschrauber zur Verfügung. Obwohl die Crews bis zur Grenze der Erschöpfung arbeiten, erscheinen ihre Anstrengungen auf den Fernsehbildern wie Sisyphusarbeit. Zwar wurden allein am Montag an die 3000 verzweifelte Mosambikaner von Dächern, Baumkronen und wenigen verbliebenen Festlandinseln gerettet. Teils mussten Männer, die das Fluggerät stürmen wollten, weggewiesen werden, da Kinder und Frauen zuerst gerettet wurden. Dennoch verblieben laut Schätzungen des World Food Programme 55 000 Personen in der Gaza-Provinz und 30 000 im Tal des Save-Flusses akut gefährdet. Etliche unter ihnen klammerten sich an Hausdächer oder Astwerk. Angesichts dieser schlimmsten Hochwasserkatastrophe innerhalb von 100 Jahren fragen sich die Beteiligten, wo denn die westliche Welt bleibt. Laut den Angaben des Southern African Centre for American Studies (Sacas) in Johannesburg wird gegenwärtig in Italien eine amerikanische C-17 Transportmaschine mit Hilfsgütern beladen, während eine C5A, die ebenfalls Materialien nach dem Süden Afrikas bringen soll, zuerst repariert werden muss. Wie das SACAS in Erfahrung brachte, hat das State Department in Washington keine Pläne militärische Transporthelikopter in diese Weltgegend zu verlegen. Professor Carl Nöffke (Direktor des Sacas) vermutet, dass in Europa und Amerika das Gefahrenpotenziale in dieser Unwetterkatastrophe massiv unterschätzt wurde, dies obwohl die Unwetter vor bald vier Wochen ihren Anfang nahmen.

Das Ausmaß der Schäden ist gigantisch. Neben einer in Tat und Wahrheit noch unbekannten Opferzahl wurden in Mosambik durch die wochenlangen Regenfälle und die Fluten der bereits in Südafrika überbordenden Flüsse 800 000 Personen obdachlos. Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht: Wie das Wetterbüro in Pretoria mitteilte, ist das nächste schwere Tief über der Gegend von Beira im Aufbau. Auch Simbabwe wurde durch die sintflutartigen Regenfälle schwer geschädigt. Laut Schätzungen sind dort eine Viertelmillion Menschen obdachlos geworden.

Der mosambikanische Außenminister, Leonardo Simao, appellierte dringend an das Ausland, mehr Nothilfe zu leisten. Der arme Staat im Südosten Afrikas verfügt nicht über eine einigermaßen adäquate Infrastruktur (z. B. Transporthelikopter), um der Not leidenden Bevölkerung zu helfen. Simao gab das Ausmaß der Flutschäden mit 65 Millionen Dollar an. Aus diplomatischen Kreisen in Maputo verlautete, dass diese Zahl noch nicht bestätigt werden kann, sicher könne man aber von Schäden in zweistelliger Millionenhöhe ausgehen. Noch nicht klar ist, welche volkswirtschaftlichen Folgen die Flutkatastrophe für Mosambik hat. Das Land hat in den letzten Jahren einen phänomenalen Aufschwung erlebt und sich mit Wachstumsraten bis 10 Prozent viel Applaus von Geberländern und den Bretton-Woods-Institutionen geholt.

Auch touristisch sind die Überschwemmungen für Mosambik katastrophal: Das Land ist in Gefahr, mit der Hauptstadt Maputo eine seiner wenigen Attraktionen zu verlieren. Die Metropole wird wegen der durch die Fluten beschleunigten Bodenerosion nach Schätzungen von Experten allmählich in den Indischen Ozean abrutschen.

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