• Verzweiflung war sein Grund Nach Loiseaus Selbstmord beginnt die Debatte um Essenstester

Welt : Verzweiflung war sein Grund Nach Loiseaus Selbstmord beginnt die Debatte um Essenstester

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Paris (dpa). Frankreich ist fassungslos. Wie konnte der beliebte Spitzenkoch Bernard Loiseau sich am Montag den Lauf eines Jagdgewehres in den Mund schieben und abdrücken? Hatte er sich mit seinem großen GastronomieUnternehmen zu viel zugemutet? Der Druck der „Benotungen“ der Kochkunst sei der Grund für den Selbstmord, meinen Kollegen. „Für Köche ist das wie eine jährliche Abiprüfung“, sagt Claude Lebey, Herausgeber von Loiseaus Kochbüchern. „Sie sind drei Monate im Jahr krank, wenn sie befürchten, einen Stern abgeben zu müssen.“ In der Gerüchteküche ist auch nicht nur von dem durchaus umstrittenen GaultMillau-Führer die Rede, der den Spitzenkoch gerade herabgestuft hat. Der Guide-Rouge-Chef persönlich soll den „Cote d’Or“-Koch im August vor „schleichendem Niedergang“ gewarnt haben. Würde das spätestens 2004 den dritten Stern kosten? „Danach war er ganz fürchterlich daneben“, erinnert sich ein Freund. Eine ganze Reihe französischer Spitzenköche hat sich Paul Bocuse angeschlossen, der die Zunft dazu aufgerufen hat, gegen die „Manipulation“ durch Kritiker-Noten aufzustehen. „Bleiben wir vernünftig, in unserem Metier kennt doch ein jeder die Spielregeln. Die Herabstufung durch GaultMillau erklärt die Tat nicht“, meint Drei-Sterne-Koch Marc Veyrat – von GaultMillau gerade mit der erstmals vergebenen Bestnote 20 dekoriert.

An diesem Freitagnachmittag wird der Küchenchef in Saulieu im Burgund zu Grabe getragen. An diesem Freitag kommt auch die neue Ausgabe des Michelin-Führers in die Buchhandlungen. Der tote Loiseau hat darin drei Sterne.

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